APA - Austria Presse Agentur

Russland verschiebt Militärparade zum Sieg über Hitler

16. Apr 2020 · Lesedauer 3 min

Russland verschiebt seine große Militärparade zum 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über den Hitler-Faschismus. Grund sei die Corona-Pandemie, teilte Kremlchef Wladimir Putin am Donnerstag in Moskau bei einer Sitzung des Sicherheitsrates mit. Für Russland ist die symbolträchtige Parade am 9. Mai das wichtigste politische Ereignis des Jahres. Putin sprach von einer schweren Entscheidung.

Russland verschiebt seine große Militärparade zum 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über den Hitler-Faschismus. Grund sei die Corona-Pandemie, teilte Kremlchef Wladimir Putin am Donnerstag in Moskau bei einer Sitzung des Sicherheitsrates mit. Für Russland ist die symbolträchtige Parade am 9. Mai das wichtigste politische Ereignis des Jahres. Putin sprach von einer schweren Entscheidung.

"Das Datum 9. Mai ist für uns heilig, aber auch das Leben jedes Menschen ist heilig", sagte er. Der Tag des Sieges werde trotzdem in den Familien gefeiert - mit dem Andenken an die Helden. "Es ist nicht möglich, das Datum selbst zu annullieren oder zu verschieben. Wir werden das auch nicht tun", sagte Putin. Die Risiken wegen des Virus erlaubten keine Vorbereitung auf die Parade. Sie solle aber noch in diesem Jahr stattfinden. Einen Termin gab es zunächst nicht.

Das russische Verteidigungsministerium hatte bis zuletzt an dem Termin festgehalten. Allerdings baten auch Kriegsveteranen Putin darum, das Ereignis zu verschieben. Putin sagte zudem alle Massenveranstaltungen zum Feiertag am 9. Mai ab. Im ganzen Land hätte es Paraden geben sollen.

Die Verschiebung ist eine herbe symbolpolitische Niederlage für Putin, hätte die Militärparade zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges doch heuer besonders spektakulär werden sollen. Geplant war die größte Parade in der russischen Geschichte. Es waren Gäste aus vielen Ländern erwartet worden, darunter auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der bisher weder zu, noch abgesagt hatte und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Eingeladen waren auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Zusagen gab es aber nicht. US-Präsident Donald Trump hatte bereits abgesagt.

Das Ereignis auf dem Roten Platz gilt auch als große Demonstration der Stärke der Atommacht Russland. Hunderttausende Menschen auf der Straße verfolgen jedes Jahr, wie Panzer und Fahrzeuge mit Raketen durch die Stadt fahren. Höhepunkt ist seit Jahren die Flugshow der russischen Luftstreitkräfte. Die Parade ist immer auch eine Schau für potenzielle Rüstungskunden des Riesenreiches.

Die Streitkräfte hatten zuletzt noch betont, die vorgesehenen Panzer seien gegen das Coronavirus geschützt. Die Panzer vom Typ T-72 und T-90 seien ohnehin gegen atomare, chemische und biologische Angriffe gesichert - entsprechend auch gegen Viren. Den Besatzungen drohe daher keine Gefahr. Diskussionen gab es zuletzt über eine Parade ohne Zuschauer. Nun aber soll es doch eine mit Zuschauern zu einem späteren Zeitpunkt geben.

Die Militärparade auf dem Roten Platz wird traditionell am 9. Mai, dem Tag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland, abgehalten. Bei der Kapitulation Hitler-Deutschlands am 8. Mai, die in Österreich und Deutschland als Tag der Befreiung gefeiert wird, war in Moskau bereits der 9. Mai angebrochen.

Russland erinnert damit nicht nur international an die Rolle der Sowjetunion als Befreier Europas vom Hitler-Faschismus. Das Land nutzt die Erinnerungskultur an den glorreichen Sieg auch als verbindendes Element für Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Die Lage um das Coronavirus hatte sich in den vergangenen Tagen in Russland massiv verschärft. In der russischen Hauptstadt gelten unter Androhung von Geldstrafen strenge Ausgangssperren. Überall in der größten Stadt Europas sind Uniformierte der Polizei, der Anti-Terror-Kräfte Omon und der Nationalgarde unterwegs.

Quelle: Agenturen