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Russland sieht weiteren Gesprächsbedarf mit den USA

08. Dez. 2021 · Lesedauer 3 min

Nach dem Gespräch zwischen US-Präsident Joe Biden und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin soll russischen Angaben zufolge zügig eine weitere Unterredung folgen. Es gebe weiteren Bedarf, sagte der Sprecher des Moskauer Präsidialamtes, Dmitri Peskow, am Mittwoch. Ein Datum sei noch nicht festgelegt worden. Zunächst sollten Vertreter beider Länder Kontakt aufnehmen. Nach Einschätzung der Ukraine diente der Videogipfel der Abschreckung und der Deeskalation.

Er sei zuversichtlich, dass Putin einige klare und starke Signale erhalten habe, sagte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir begrüßen das entscheidende diplomatische Engagement der USA in den Bemühungen, Russland zurück an den Verhandlungstisch zu bringen", heißt es in einer schriftlichen Erklärung Kulebas. Vorrang habe aber ein Abschreckungspaket, um Russland von einer militärischen Eskalation abzuhalten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Biden würden die weitere Koordination am Donnerstag besprechen, um Russland von einer Invasion abzuhalten und die Friedensgespräche im Normandie-Format wiederzubeleben. In dieser so bezeichneten Kontaktgruppe beraten Deutschland, Frankreich, Russland und die Ukraine Fragen des seit Jahren anhaltenden Ukraine-Konflikts. Großbritannien sicherte der Ukraine Unterstützung zu. Man sei mit den NATO-Partnern in Kontakt über mögliche Maßnahmen, sagte Außenministerin Liz Truss.

Biden und Putin hatten am Dienstag über die Ukraine-Krise gesprochen. Nach US-Angaben warnte Biden vor einer militärischen Eskalation. Die USA und ihre Verbündeten würden in einem solchen Fall mit militärischen und anderen Maßnahmen reagieren, teilte das US-Präsidialamt nach dem gut zweistündigen Gespräch mit. Das russische Präsidialamt erklärte, Putin habe es als falsch bezeichnet, sein Land allein für die gegenwärtigen Spannungen verantwortlich zu machen. Er habe der NATO vorgeworfen, in der Nähe der russischen Grenzen aufzurüsten. Andere Themen wie die Gaspipeline Nord Stream 2 seien nicht besprochen worden, sagte Putins Sprecher Peskow.

Russische Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine haben im Westen Besorgnis ausgelöst. Die Regierung in Kiew wirft Russland vor, mittlerweile mehr als 94.000 Soldaten an der gemeinsamen Grenze zusammengezogen zu haben. Die Ukraine strebt einen Beitritt zur NATO an, womit für Russland eine rote Linie überschritten wäre.

Russland setzt unterdessen auf eine Zertifizierung der Gaspipeline Nord Stream 2 im Frühjahr. Das berichtete die Nachrichtenagentur RIA am Mittwoch. Die deutsche Bundesnetzagentur muss die umstrittene Pipeline durch die Ostsee noch freigeben. Ohne das Okay kann kein russisches Gas durch die 1.200 Kilometer lange Doppelröhre fließen. Die USA stehen der Pipeline kritisch gegenüber. Sie befürchten, dass sich Europa damit in eine zu große Abhängigkeit von Russland begibt. Insidern zufolge sind die USA mit Deutschland übereingekommen, die Pipeline zu schließen, sollte Russland in der Ukraine einmarschieren.

Quelle: Agenturen