APA - Austria Presse Agentur

Rund 50 Jugendliche attackierten Kirche in Wien-Favoriten

30. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

50 Jugendliche sollen Donnerstagabend in die katholische Kirche St. Anton von Padua in Wien-Favoriten eingedrungen sein und dort randaliert haben. Ein islamistischer Hintergrund wird vermutet.

Die Burschen schrien herum und traten gegen Sitzbänke, bestätigte Polizeisprecher Marco Jammer einen Bericht der Tageszeitung "Kurier". Als sie Richtung Altarbereich gingen, rief der Pfarrer die Polizei. Daraufhin suchten die Jugendlichen das Weite. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Es wurde auch niemand festgenommen.

Der "Kurier" sprach von rund 50 Personen und dass Ermittler des Verfassungsschutzes davon ausgehen, dass es sich bei den Eindringlingen um eine Gruppe türkischer Jugendliche handelt, die sich zuvor über die sozialen Medien organisiert hatte. Der gesamte Vorfall soll aber von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden sein, die nun ausgewertet wird.

Die Gruppe soll sich rund zwei Stunden zuvor am Reumannplatz getroffen haben. Es kam offenbar zu Raufereien und es wurden Böller geworfen. Dazu sollen islamistische Parolen gerufen worden sein. Im Verfassungsschutz geht man davon aus, dass es sich um jene Gruppe fanatischer türkischer Islamisten handelt, die seit Monaten massiv im Bezirk auffällt, berichtet der "Kurier". Mehrere Straftaten im Bereich Körperverletzung aus ideologisch motivierten Gründen seien evident, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Stärkere Überwachung von "Hotspot Favoriten"

Nach der Attacke wurden 50 Exekutivbeamte zusätzlich für die Überwachung und Kontrolle des Hotspots Favoriten abkommandiert. Das teilte das Innenministerium am Freitagabend mit. Darüber hinaus laufe eine Gefahrenabschätzung des Verfassungsschutzes und darauf basierend sollen die Maßnahmen angepasst werden.

Nach den Terroranschlägen in Frankreich wurde in Abstimmungsgesprächen zwischen Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbkämpfung (BVT) und Einsatzkommando Cobra ein erhöhter Schutz französischer Einrichtungen und eine verstärkte Überwachung auf öffentlichen Plätzen angeordnet, teilte das Innenministerium weiters mit.

Nehammer, Haimbuchner und Raab verurteilen Attacke

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verurteilte die Vorkommnisse: "Wir lassen uns in Österreich das Recht auf freie Religionsausübung niemals zerstören und werden die christliche Gemeinschaft mit allen unseren Kräften schützen", sagte Nehammer im "Kurier". Er habe den Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit angewiesen, alle Polizeidienststellen zu sensibilisieren und den öffentlichen Raum insbesondere im Hotspot Favoriten verstärkt zu überwachen.

Der stellvertretende FPÖ-Bundesparteiobmann Manfred Haimbuchner sprach von einem "in höchstem Maß verwerflichen Sturm auf ein Kirche". Für Haimbuchner ist das eine "Attacke auf unsere liberale Demokratie und unsere freiheitliche Gesellschaft als Ganzes. Nach einem solchen Angriff darf man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Haimbuchner stellte den Vorfall in eine Reihe mit der Enthauptung eines Lehrers in einem Pariser Vorort und dem Terrorakt in einer Kirche in Nizza, und meinte, das sei bereits der dritte Angriff auf die europäisch-abendländische Gesellschaft binnen weniger Tage.

Ebenso wie Innenminister Nehammer verurteilte auch Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) die Attacke auf die Kirche und begrüßte die erhöhte Polizeipräsenz in Favoriten. "Parallelgesellschaften sind der Nährboden für Gewalt. Wir müssen jede Form von Extremismus und Islamismus schon von Beginn an bekämpfen, um Schlimmeres zu verhindern", sagte Raab.

Quelle: Agenturen