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Rotes Kreuz und Amnesty: "Humanitäres Völkerrecht einhalten"

Heute, 13:18 · Lesedauer 4 min

Angesichts der Eskalation im Nahen Osten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg mahnen das "Rote Kreuz" und "Amnesty International" zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Der Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), Gerald Schöpfer, appellierte am Mittwoch: "Der Schutz der Zivilbevölkerung muss Vorrang haben und von allen Konfliktparteien eingehalten werden." Amnesty forderte alle Konfliktparteien auf, rechtswidrige Angriffe auf Zivilisten sofort einzustellen.

Dies gelte "einschließlich unterschiedsloser und unverhältnismäßiger Angriffe sowie des Einsatzes von Sprengwaffen in dicht besiedelten Gebieten", hieß es in einer Mitteilung von Amnesty International (AI). "Zivile Infrastruktur wie Flughäfen, Krankenhäuser, Schulen und Gefängnisse müssen geschützt und humanitärer Zugang sowie unabhängige internationale Beobachtung gewährleistet werden."

Auf den Iran bezogen fordert Amnesty "die sofortige Freilassung aller willkürlich Inhaftierten sowie den Schutz aller Gefangenen, notfalls durch vorübergehende Entlassung aus humanitären Gründen". An die internationale Gemeinschaft appellierte die Organisation, die diplomatischen Bemühungen zu intensivieren, um weitere Eskalation und Verbrechen nach internationalem Recht gegen eine Bevölkerung zu verhindern, die bereits Jahrzehnte der Unterdrückung erlitten hat.

ÖRK-Präsident Schöpfer betonte, auch Angriffe auf humanitäre Helferinnen und Helfer seien zu unterlassen, "damit sie ihre lebensrettende Arbeit fortsetzen können." Seit dem Wochenende seien zehntausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Freiwillige des Roten Kreuzes bzw. Roten Halbmondes im Nahen Osten in den vom Konflikt betroffenen Gebieten im Einsatz, wurde in einer Aussendung aufgelistet. "Unsere Kolleginnen und Kollegen im Iran, im Libanon oder in Israel retten Verletzte, bergen Überlebende aus Trümmern, verteilen Hilfsgüter und versorgen Menschen in Notunterkünften. Der Suchdienst des Roten Kreuzes hilft, den Kontakt zwischen Familien wieder herzustellen." In Nachbarländern wie der Türkei bereite sich der Rote Halbmond auf Fluchtbewegungen vor. Ein Ende des Konflikts sei noch nicht abzusehen. "Unsere Hilfe wird noch lange nötig sein", richtete Jürgen Högl, Leiter der ÖRK-Abteilung für Internationale Katastrophen und Krisen einen Spendenappell an die Bevölkerung.

Im Iran seien 100.000 Helferinnen und Helfer des Roten Halbmondes mobilisiert worden, Hunderte Teams seien rund um die Uhr im Einsatz, teilte das ÖRK mit. "Derzeit hat das Retten von Leben Priorität, Verletzte werden in den Spitälern des Iranischen Roten Halbmondes behandelt." Mit mehr als drei Millionen Freiwilligen sei der Rote Halbmond "die größte humanitäre Organisation im Land".

Im Libanon sei das Libanesische Rote Kreuz mit 12.000 Freiwilligen die primäre humanitäre Hilfsorganisation im Land und führend in Rettungs- und Blutspendediensten, wurde in der Aussendung festgehalten. Für aus dem Süden vertriebene Menschen seien zuletzt 170 Notunterkünfte eingerichtet worden. "Die ÖRK-Delegation im Libanon - seit 2013 im Land - unterstützt aktuell bei der Umsetzung von Notfallplänen."

In Israel habe der Israelische Magen David Adom (Roter Davidstern) alle Notfallkapazitäten - 39.000 Freiwillige - mobilisiert. Aktuelle Schwerpunkte seien Such- und Rettungsaktionen oder eine nationale Blutspende-Kampagne.

Vorbereitungen auf Fluchtbewegungen angelaufen

Die Rotkreuz-Gesellschaften in den umliegenden Ländern des Iran - vor allem der Türkische Rote Halbmond sowie das Armenische Rote Kreuz - bereiten sich unterdessen in den Grenzregionen auf Fluchtbewegungen und Evakuierungsmaßnahmen vor. Dabei stünden die gesundheitliche und psychologische Betreuung, Versorgung mit notwendigen Gütern sowie Unterbringung von ankommenden Menschen im Vordergrund, hieß es.

Internationale Hilfe: 100.000 Euro aus Österreich

Das Österreichische Rote Kreuz hat bereits 100.000 Euro für die erste Nothilfe zur Verfügung gestellt, bei Bedarf können Hilfsgüter oder Experten in die betroffenen Regionen entsandt werden. Die ÖRK-Delegation im Libanon unterstützt aktuell bei der Umsetzung von Notfallplänen. Die internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften unterstützt im ersten Schritt mit 1,5 Millionen Schweizer Franken (1,29 Mio. Euro) aus dem "Disaster Relief Emergency Fund" vor allem die Hilfe im Iran.

Amnesty: Angriff auf Schule im Iran verifiziert

Von Amnesty International wurde außerdem mitgeteilt, dass ein Angriff auf eine Schule im Iran verifiziert worden sei. Sechs Videos würden eine Attacke auf ein Schulgebäude in Minab festhalten, mindestens 150 Schulkinder seien unter den Todesopfern. Zivile Angriffe auf Schulen, Krankenhäuser oder Gefängnisse müssten gestoppt und unabhängige Beobachtung zugelassen werden. Die Menschenrechtsorganisation warnte aber auch, der Iran nutze den Krieg als Deckmantel für Folter und Hinrichtungen.

Zusammenfassung
  • Das Österreichische Rote Kreuz und Amnesty International fordern angesichts der Eskalation im Nahen Osten die Einhaltung des humanitären Völkerrechts und den Schutz der Zivilbevölkerung.
  • Im Iran sind 100.000 Helferinnen und Helfer des Roten Halbmondes im Einsatz, in Israel wurden 39.000 Freiwillige mobilisiert und im Libanon 12.000 Freiwillige, um Verletzte zu retten und Notunterkünfte bereitzustellen.
  • Das ÖRK stellt 100.000 Euro Soforthilfe bereit, die internationale Föderation unterstützt mit 1,5 Millionen Schweizer Franken, während Amnesty einen verifizierten Angriff auf eine Schule im Iran mit mindestens 150 toten Schulkindern meldet.