Regierung diskutiert am Dienstag im Parlament Wehrpflicht
Die Vertreter von ÖVP, SPÖ und NEOS werden am Dienstag die Ergebnisse der Wehrdienstreformkommission diskutieren und die nächsten Schritte festlegen, wie die Volkspartei wissen ließ. Geplant ist, im Rahmen des parlamentarischen Prozesses auch die Oppositionsparteien FPÖ und Grüne einzubinden. Einig sei man sich in der Koalition jedenfalls darüber, dass die Miliz gestärkt werden soll sowie weitere Maßnahmen zur Attraktivierung des Grundwehrdienstes und die Stärkung der gesamtstaatlichen Wehrhaftigkeit auf den Weg gebracht werden müssen, hieß es seitens der ÖVP.
Gänzlich friktionsfrei lief die Debatte in der Koalition bis dato nicht. Stocker hatte nämlich beim Neujahrsauftakt der ÖVP in Wien eine Volksbefragung über die künftige Ausgestaltung der Wehrpflicht aufs Tapet gebracht und damit nicht zuletzt seine Koalitionspartner SPÖ und NEOS überrumpelt. Beide Parteien zeigten sich doch einigermaßen irritiert und sparten nicht mit Kritik. Von den NEOS kam in weiterer Folge ein klares Nein zu den Plänen einer Volksbefragung: "Die BürgerInnen erwarten sich zu Recht, dass die gewählte Politik Verantwortung übernimmt und Entscheidungen im Sinne der Menschen in Österreich und im Sinne der Republik trifft", schlug Generalsekretär Douglas Hoyos Pflöcke ein.
Stocker, der die Volksbefragung im Herbst durchführen möchte, hat zuletzt präzisiert, dass sie am Ende eines parlamentarischen Prozesses stehen sollte. "Am Ende des Tages" könnte dies die "geeignete Form" sein, die Menschen einerseits einzubinden und andererseits rasch zu einer Entscheidung zu kommen, so Stocker. Geht es nach dem Kanzler, soll über zwei der von der Wehrdienstkommission vorgeschlagenen Modelle abgestimmt werden. Keine Option soll es sein, den Status quo beizubehalten und den Wehrdienst bei sechs Monaten zu belassen. Er selbst kann dem von der Wehrdienstkommission vorgeschlagenen Modell "Österreich plus", das acht Monate Grundwehrdienst sowie zusätzlich zwei Monate verpflichtende Milizübungen vorsieht, "einiges abgewinnen".
Zusammenfassung
- Die Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS diskutieren am Dienstag im Parlament die Ergebnisse der Wehrdienstreformkommission und planen die nächsten Schritte zur Reform der Wehrpflicht.
- Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) möchte am Ende des parlamentarischen Prozesses im Herbst eine Volksbefragung über zwei neue Wehrdienstmodelle durchführen, wobei der aktuelle Status quo mit sechs Monaten Grundwehrdienst keine Option sein soll.
- Das von der Kommission vorgeschlagene Modell "Österreich plus" sieht acht Monate Grundwehrdienst und zusätzlich zwei Monate verpflichtende Milizübungen vor und findet bei Stocker Zustimmung, während die NEOS eine Volksbefragung klar ablehnen.
