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Rechnungshof: OÖ fehlen fast 10.000 Pflegekräfte

15. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Oberösterreich braucht bis 2030 rund 9.550 neue Pflegekräfte, um den Bedarf zu decken, schlug der Landesrechnungshof (LRH) am Dienstag Alarm.

Er hat sowohl die Ist-Situation als auch die Entwicklung der kommenden Jahre analysiert. Der drohende Personalmangel sei kein "Problem fehlender Ausbildungskapazitäten, sondern fehlender Interessentinnen bzw. Interessenten für den Pflegeberuf", meinte LRH-Präsident Friedrich Pammer.

Angespannte Lage in Pflegeheimen

Besonders angespannt ist die Lage in der Altenpflege. Wegen zu wenig Personals konnten vergangenes Jahr 871 Plätze in Alten- und Pflegeheimen nicht belegt werden. "Wir haben einen Bedarf von rund 350 Pflegekräften errechnet, um diese Lücke schließen zu können", so Pammer. Da im Bereich der mobilen Dienste kein Gesamtüberblick über Wartelisten beim Land vorlag, sei eine "Quantifizierung des Pflegekräftemangels für den gesamten Bereich der Altenpflege nicht möglich", hieß es in der Initiativprüfung. Die Abteilung Soziales gehe in der Altenpflege bis 2030 von einem Bedarfszuwachs von 1.500 Vollzeitäquivalenten aus, entnahmen den Prüfer den Prognosen.

Zu dieser Annahme komme noch der zusätzliche Bedarf von Pflegekräften für die oö. Landes- und Ordensspitäler sowie das Kepler-Uniklinikum hinzu. Der LRH errechnete bis 2030 etwa 5.200 Personen - anstehende Pensionierungen und Teilzeit sind darin berücksichtigt. In Summe kam man so auf 9.550 Personen, die es für die Pflegeberufe zu gewinnen gelte, denn die Anzahl Hilfsbedürftiger werde bis 2030 von aktuell 76.000 Personen um 15 Prozent auf etwa 87.000 steigen.

Drop-out-Quote bei 26 Prozent

Das Land habe zwar zur Rekrutierung neuen Personals heuer das Projekt "Fachkräftestrategie Pflege" gestartet, aber Pammer vermisst einen "klaren messbaren Zielerreichungspfad mit einem laufenden Monitoring", damit das Land reagieren könne, falls "die angestrebten Ziele nicht erreicht werden". In den vergangenen Jahren betrug die Drop-out-Quote bei den Auszubildenden 26 Prozent.

Oö. FPÖ-Klubobmann Herwig Mahr sah im LRH-Bericht die Kritik seiner Partei an der früheren SPÖ-Verantwortung im Sozialressort bestätigt. Willen zur Veränderung wie er im nun ÖVP-geführten Ressort sichtbar werde, habe man vermisst. Angesichts der auch vom LRH kritisierten hohen Drop-out-Quote hätte die FPÖ mehrmals "eine einheitliche Evaluierung anhand eines standardisierten Fragebogens, sobald ein Teilnehmer den Kurs verlässt" gefordert. "Es ist schlichtweg unverantwortlich, dass es bisher nicht dazu gekommen ist."

Knauseder sieht SPÖ-Forderung als bestätigt 

SPÖ-Pflegesprecherin Gabriele Knauseder hingegen sah Forderungen ihrer Partei bestätigt und seit der neuen Ressortaufteilung "ein Bröckeln der machtpolitischen Blockade der ÖVP" gegen die von der SPÖ geforderten Investitionen in die Pflege. Unter Landesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ) hätten sich zwischen 2017 und 2020 die Vollzeitkräfte in der Altenpflege trotz Drop-outs und Pensionierungen um 200 erhöht. "Vorstöße für Ausbildungsstipendien wurden leider von der ÖVP aus rein machttaktischen Gründen - um ihr keinen Erfolg zu gönnen - abgeblockt". Das habe wichtige Zeit und rekrutierbares Personal gekostet.

"In der Pflege klafft ein riesiges Loch, die Pflegerinnen und Pfleger können das schon lange nicht mehr zusammenhalten", sie müssten weit über ihre Grenzen gehen, reagierte die stellvertretende NEOS-Klubobfrau Julia Bammer. Die Landesregierung habe viel auf Show-Politik gegeben, "der kürzlich präsentierten Fachkräftestrategie des Landes fehlen etwa messbare Zwischenziele und Messgrößen - wie soll eine langfristig gedachte Strategie sinnvoll umgesetzt werden, wenn man nicht weiß, ob sie wirkt?", so Bammer.

ÖVP-Landtagsklub: "Richtiger Weg" eingeschlagen

Der ÖVP-Landtagsklub sieht sich durch den LRH-Bericht bestätigt, mit der Fachkräftestrategie Pflege "den richtigen Weg" eingeschlagen zu haben. Dazu gehöre eine Gehaltserhöhung, die Erhöhung des Mindestpersonalschlüssels sowie wie die Flexibilisierung des Personaleinsatzes, Digitalisierung und Deregulierung. Zudem kündigte man an, dass es "eine Anpassung, Evaluierung und regelmäßige Überprüfung der Ziele" geben werde.

Um jene 9.550 zusätzlichen Pflegekräfte zu bekommen, sei laut den Grünen "ein gewaltiger Kraftakt nötig". Den "Landesverantwortlichen muss klar sein, dass sich nur dann mehr für diesen wichtigen Beruf entscheiden, wenn endlich Entlohnung, Arbeitsbedingungen und klare Zukunftsperspektiven passen", unterstrich Landtagsabgeordnete Ulrike Schwarz.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz