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Qualität bei 24h-Betreuung Thema in Reformkommission

Heute, 05:00 · Lesedauer 3 min

Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat am Freitag Vertreter von Bund, Ländern und Gemeinden empfangen, um über die Weiterentwicklung im Pflegesektor zu beraten. Die Sitzung der Pflegeentwicklungskommission sei konstruktiv verlaufen, hieß es am Nachmittag aus dem Sozialministerium. Gemeinsames Ziel sei Qualität in der Personenbetreuung von Pflegebedürftigen daheim, die Rahmenbedingungen für die 24-Stunden-Betreuung sollen nachhaltig verbessert werden.

Die Qualitätssicherung bei der 24-Stunden-Betreuung ist auch im Regierungsprogramm verankert. Neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen gehe es um die Etablierung "bundesweit einheitlicher und verbindlicher Qualitätskriterien für in Österreich tätige Vermittlungsagenturen (zur Vermittlung der Betreuungskräfte, Anm.)", teilte das Ministerium vor und nach der Sitzung mit. Das wolle man noch in dieser Legislaturperiode umsetzen. Die Pflege soll außerdem eine Rolle in der zu erarbeitenden Fachkräftestrategie spielen. Im Vorfeld haben zahlreiche Organisationen einheitliche Standards und eine bessere Finanzierung für die 24-Stunden-Betreuung gefordert.

Angekündigt hatte Schumann die Sitzung bereits im November des Vorjahres. In der noch 2024 unter der türkis-grünen Regierung etablierten Kommission sind Vertreter des Bundes, der Länder, der Gemeinden sowie der Städte vertreten. Im Regierungsprogramm ist über die von Schumann genannten Maßnahmen hinaus auch die Vermittlung "ausreichender Deutschkenntnisse", die Prüfung der Tätigkeitsmöglichkeiten für Selbstständige aus Drittstaaten sowie die Anhebung der Einkommensgrenze für die Förderung der 24-Stunden-Betreuung aufgelistet.

Zuletzt war neuerlich der Wunsch nach einer stärkeren Kontrolle der Qualitätsstandards und auch einer deutlichen Erhöhung der Förderung im Bereich der 24-Stunden-Betreuung laut geworden. Die Hilfsorganisationen Caritas, Hilfswerk und Malteser Care deponierten am Dienstag vor der Sitzung ihre Wünsche. Konkret wird - mit Verweis auf die enormen Inflationsverluste - eine Verdoppelung der Förderhöhe von derzeit 800 auf 1.600 Euro gefordert, ebenso eine Erhöhung der Einkommensgrenze von derzeit 2.500 Euro auf 4.055 Euro.

Auch volkswirtschaftlich würde eine solche Erhöhung Sinn machen, betonte etwa Hilfswerk-Geschäftsführerin Elisabeth Anselm. Denn die Kosten der öffentlichen Hand für die Betreuung Pflegebedürftiger in stationären Einrichtungen wie Pflegeheimen seien viel teurer als jene in den eigenen vier Wänden mit Hilfe von u.a. 24-Stunden-Betreuungskräften.

"Schräglage" bei Förderungen geortet

Bei der Förderung der 24-Stunden-Betreuung orten die Trägervereine eine "völlige Schräglage": Zum Zeitpunkt der Einführung im Jahr 2007 lag die Förderung bei 550 Euro pro Monat. Im Jahr 2023 wurde diese dann erstmals angepasst, zunächst auf 640 Euro, dann auf 800 Euro. Damit habe man damals nicht einmal den Wertverlust korrigiert, hieß es. Mittlerweile entwerte sich die Förderung laufend weiter.

Gefordert wird darüber hinaus eine Anpassung der Einkommensgrenzen entlang der Inflation. Damit müsste die Grenze von den derzeit 2.500 Euro auf 4.055 Euro angehoben werden.

Qualitätssiegel ÖQZ-24: Verpflichtung gefordert

Einen Tag vor der Sitzung der Pflegereformkommission forderte der Verein für das "ÖQZ-24", das Österreichische Qualitätszertifikat für Personenbetreuung, dass die Qualitätskriterien rasch auf eine verbindliche Grundlage gestellt werden sollten. "Das ÖQZ-24 ist aktuell das einzige Regelwerk, welches Vermittlungsagenturen in puncto Qualitätssicherung in die Pflicht nimmt", erklärten dazu am Donnerstag die neuen Präsidiumsmitglieder, Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec (ÖVP) und die Präsidentin des Österreichischen Seniorenbunds, Birgit Gerstorfer.

Ziel soll demnach sein, die ÖQZ-24 Richtlinien "generell für alle Vermittlungsagenturen verpflichtend zu machen". Die ÖQZ-24 Zertifizierungsstelle habe sich seit ihrer Einführung im Jahr 2019 überdies als "bewährtes Überprüfungsorgan" erwiesen, hieß es.

Zusammenfassung
  • Die Pflegeentwicklungskommission beriet unter Leitung von Ministerin Schumann über bundesweit einheitliche Qualitätskriterien und bessere Rahmenbedingungen für die 24-Stunden-Betreuung zu Hause.
  • Hilfsorganisationen fordern mit Verweis auf die Inflation eine Verdoppelung der monatlichen Förderung von derzeit 800 auf 1.600 Euro sowie eine Anhebung der Einkommensgrenze von 2.500 auf 4.055 Euro.
  • Das Qualitätszertifikat ÖQZ-24 soll künftig für alle Vermittlungsagenturen verpflichtend werden, um eine einheitliche Qualitätssicherung sicherzustellen.