PULS 24 fragt Experten: Wie geht es im Ukraine-Krieg weiter?

30. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Der Politikwissenschaftler Gerhard Mangott und der Militärexperte Gerald Karner analysieren im PULS 24 Interview, wie es im Ukraine-Krieg weitergehen könnte.

Schon am 24. Februar 2022, zu Beginn der russischen Invasion in der Ukraine, habe Politikwissenschaftler Gerhard Mangott gewusst: "Das ist ein strategischer Fehler." 

Massive Isolation

"Es war klar, dass das eine massive diplomatische, politische und wirtschaftliche Isolation des Landes bringen würden", meint Mangott im PULS 24 Interview. Mit dem Truppenaufgebot, das damals an den Grenzen der Ukraine stand, sei auch klar gewesen, dass "eine Besetzung der gesamten Ukraine völlig unmöglich sein würde". 

Viele Fehlannahmen

Außerdem habe es sehr viele "Fehlannahmen" vonseiten Russlands gegeben. Russland habe nicht mit dem Verteidigungswillen und der Verteidigungskraft der Ukraine gerechnet. Genauso sei die Bereitschaft des Westens unterschätzt worden, die Ukraine "massiv militärisch und finanziell zu unterstützen". 

Wie geht es nun weiter?

Generell seien Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland "völlig aussichtslos", da beide Parteien Bedingungen an die andere Seite stellen, die "inakzeptabel" sind. Der Krieg werde daher in absehbarer Zeit nicht durch Verhandlungen zu Ende gehen, glaubt Mangott. 

Sollte es dennoch zu Verhandlungen kommen, sei nicht zu garantieren, dass sich Russland damit zufrieden geben und keinen weiteren Angriff auf die Ukraine starten werde. Ein erneuter Angriff sei ein "großes Risiko, das nicht ausgeschlossen werden kann", meint der Politikwissenschaftler.

Die Lösung der "territorialen Zugeständnisse der Ukraine an Russland" hält Mangott für sehr unwahrscheinlich. Sollte es jedoch dazu kommen, müsse dies begleitet sein durch ein "massives Aufrüsten der ukrainischen Streitkräfte und westlichen Sicherheitsgarantien". Dies wäre unvermeidlich, um sicherzustellen, dass die Ukraine nicht wieder Opfer einer russischen "militärischen Aggression" wird. 

Karner: "Appeasement-Politik" gescheitert

Auch der Militärexperte Gerald Karner schätzt die möglichen Entwicklungen im Ukraine-Krieg im PULS 24 Interview ein.

Die "Appeasement-Politik", also Beschwichtigungspolitik, des Westens gegenüber Wladimir Putin sei gescheitert, genauso die Strategie Europas "Wandel durch Handel". Der Westen habe die Entschlossenheit Putins, die "Ukraine zu spalten", unterschätzt, so der Militärexperte Gerald Karner.

Ukraine "kann und darf" russische Annexionen nicht akzeptieren

Für mögliche Verhandlungen stellt Russland die Forderung, die Ukraine müsse "die neue Realität", also die Annexion ukrainischer Staatsgebiete, akzeptieren. Laut Karner könne und dürfe sich die Ukraine auf so etwas nicht einlassen.

Dies sei aus Karners Sicht nicht nur für die Ukraine nicht akzeptabel, sondern auch in Bezug auf die Weltordnung nach dem Konflikt. "Sonst würde in gewisser Weise akzeptiert, dass ein Aggressor Erfolg haben kann mit der völkerrechtswidrigen Annexion großer Gebiete des anderen Landes", so der Militärexperte.

Das könnten die Ukraine und die Staatengemeinschaft nicht akzeptieren. Der einzige Weg, den Krieg "möglichst schnell zu beenden", sei durch die massive Unterstützung der Ukraine, meint Karner.

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Und wie geht es der Zivilbevölkerung in der Ukraine? Darüber spricht Thomas Seifert, stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung", im PULS 24 Interview.

Seifert: "Putin hat die Ukraine völlig unterschätzt"

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj