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Polaschek will Wissenschaftsskepsis bekämpfen

Mit einer Ursachenstudie, dem Einsatz von ausgezeichneten Hochschullehrerinnen und -lehrern an Schulen sowie der stärkeren Verankerung von Medien- und politischer Bildung in den Lehrplänen will Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) die Wissenschafts- und Demokratieskepsis in Österreich bekämpfen. Bei diesen beiden Themen gebe es eine Korrelation, so der Minister vor Journalisten. "Zweifelt man an Wissenschaft, werden auch demokratische Werte in Zweifel gezogen."

"Das Interesse an Wissenschaft ist im internationalen Vergleich so niedrig, dass einem das zu denken geben muss", meinte Polaschek. Österreich sei hier laut einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Vorjahr fast das Schlusslicht, nur Kroatien komme auf einen noch niedrigeren Wert. "Wir haben ein strukturelles Problem, wenn knapp die Hälfte der Befragten angibt, dass Wissenschaft für ihr Leben keine Rolle spielt und wenn ein Drittel überzeugt ist, dass Forscherinnen und Forscher nicht ehrlich sind."

Auch andere bedenkliche Resultate sind in der Studie enthalten - etwa in Sachen Verschwörungstheorien: So glauben etwa jeweils 21 Prozent der Österreicher, dass "Viren in staatlichen Labors produziert worden sind, um unsere Freiheit einzuschränken" bzw. dass es "Mittel gibt, um Krebs zu heilen, von denen die Öffentlichkeit aus kommerziellen Gründen nichts erfährt". Das ist immerhin weniger als im EU-Schnitt (26 bzw. 28 Prozent). Weit über dem EU-Schnitt (20 Prozent) liegt dagegen die Rate jener Österreicher (28 Prozent), die davon ausgehen, dass die ersten Menschen gleichzeitig mit den Dinosauriern lebten.

Im Bildungsministerium wird daher ein Maßnahmenpaket erarbeitet - eine der ersten Initiativen ist eine Ursachenstudie. "Den" einen Grund für die Skepsis habe er noch nicht feststellen können, meinte Polaschek. Es gebe aber etwa Indizien, dass der hohe Wohlstand im Land nicht mit Wissenschaft in Verbindung gebracht werde. Dazu käme die autoritäre Tradition in der österreichischen Geschichte. "Wenn wir etwas tun wollen, werden wir zielgruppengerecht aktiv werden müssen."

So sollen etwa jene Hochschullehrer, die in den vergangenen Jahren mit dem Ars docendi (einer Auszeichnung für hervorragende Lehre) geehrt wurden, an die Schulen gebracht werden. "Diese Personen sind talentiert darin, komplizierte wissenschaftliche Ergebnisse so zu erzählen, dass man ihnen zuhört." In den neuen Lehrplänen, die gerade für die Schulen erarbeitet werden, soll es außerdem im Rahmen des fächerübergreifenden Unterrichts die Schwerpunkte Medienbildung und Politische Bildung geben.

Als "Profis" in Sachen Wissenschaftskommunikation will man auch mit den Mitgliedern der "Science Busters" zusammenarbeiten. Die Wissenschaftskabarettisten sollen etwa den Menschen nahebringen, was Forschung eigentlich ist. "Ich kann nicht bestätigen, dass Menschen sich nicht für Wissenschaft interessieren", so Mitglied Florian Freistetter. "Das Problem ist, dass die meisten nicht wissen, dass sie sich für Wissenschaft interessieren."

Polaschek selbst will sich ebenfalls in den Dienst der Sache stellen. Er werde einmal im Monat mit einer Schulklasse die Demokratiewerkstatt des Parlaments besuchen bzw. an einem Zeitzeugen-Seminar teilnehmen oder in die KZ-Gedenkstätte Mauthausen fahren.

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  • "Das Interesse an Wissenschaft ist im internationalen Vergleich so niedrig, dass einem das zu denken geben muss", meinte Polaschek.