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PHs kritisieren Vorschläge der Unis für Lehrerausbildung

Heute, 10:06 · Lesedauer 4 min

Die Vision der Unis, schrittweise die komplette Ausbildung von Lehrkräften samt Fort- und Weiterbildung von den Pädagogischen Hochschulen (PH) zu übernehmen, ist für die PH-Rektorenkonferenz ein "Irrweg". Ohne PHs fehle der nötige Praxisbezug, warnten sie am Freitag. Derzeit sind die Unis nur für allgemeinbildende Fächer der Sekundarstufe zuständig, und das gemeinsam mit den PHs. Volksschullehrer, berufsbildende Fächer, Fort- und Weiterbildung sind Angelegenheit der PHs.

Durch die immer komplexeren Herausforderungen und die Vielfalt in den Klassen bräuchten Lehrkräfte heute nicht nur Fachwissen, sondern vor allem pädagogische Handlungskompetenz, hieß es in einer Aussendung. Die PH hätten darauf bereits mit "wissenschaftlich fundierten und zugleich praxisnahen Studienangeboten" reagiert, viele PH-Lehrende könnten als aktive oder ehemalige Lehrkräfte an Schulen praxisnahe Kompetenzen aus erster Hand vermitteln. Die PHs würden außerdem durch Schulentwicklungsberatung, berufsfeldbezogene Forschung und ihre Praxisschulen "Forschung unmittelbar mit der schulischen Praxis" verbinden.

Papier sei geduldig und das gelte auch für Studienpläne, kommentierte die Vorsitzende der PH-Rektorenkonferenz, Beatrix Karl, den Vorstoß der Unis. "Entscheidend ist, dass der Praxisbezug in der Aus-, Fort- und Weiterbildung tatsächlich gelebt wird - und das gewährleisten die Pädagogischen Hochschulen." Es spreche nichts gegen eine Weiterentwicklung der Lehramtsausbildung, räumte Karl ein. Dazu brauche es aber ein "partnerschaftliches Miteinander" wie in den gemeinsamen Verbünden für die Ausbildung der Lehrer in der Sekundarstufe (Mittelschule, AHS, Berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS).

Kritisch sieht den Vorstoß der Unis auch die Österreichische Hochschülerinnenschaft (ÖH). Insbesondere die Einbindung des Volksschullehramts in den Lehrbetrieb der Universitäten wird kritisiert. Die wissenschaftlichen Standards von Universitäten seien nicht einfach auf die Primarstufe anwendbar, wo pädagogische Qualitäten und Praxisnähe gefragt seien, heißt es in einer Aussendung am Freitagnachmittag. "Wer später mit 6-Jährigen arbeiten muss, braucht starke pädagogische Kenntnisse und damit gänzlich andere Lehrinhalte als jemand, der eine wissenschaftliche Karriere anstrebt.", sagt Selina Wienerroither (VSStÖ) aus dem ÖH-Vorsitzteam.

Weiters warnt die ÖH davor, dass das Lehramtsstudium nicht zu einem "reinen Theoriestudium" werden dürfe. Positiv sieht man hingegen eine Vereinheitlichung des Lehramtsstudiums. Studenten und Studentinnen seien mit einem "Wirrwarr an Ausbildungsstätten" konfrontiert. Die Frage, unter welchem Dach das Lehramtsstudium künftig abgewickelt werden soll, sei dabei nachrangig.

Arbeit an "Schools of Education" ab dem Frühjahr

Karl setzt sich selbst schon länger selbst dafür ein, die Lehrerausbildung zur Gänze den PHs zu übertragen. Diese sollten ihrer Ansicht nach außerdem - ähnlich wie die Unis - autonome Institutionen werden, so die frühere Wissenschaftsministerin in einem Beitrag für das geplante ÖVP-Bildungskonzept, das aktuell vom Campus Tivoli (vormals Politische Akademie) ausgearbeitet wird. Derzeit sind die PHs nachgeordnete Dienststellen des Bildungsministeriums, das dadurch Einfluss auf Aus-, Fort- und Weiterbildung nehmen kann.

Hintergrund der aktuellen Debatte über die Zukunft der Lehrerausbildung ist das Regierungsprogramm der schwarz-rot-pinken Koalition, in dem vage die Schaffung von "Schools of Education" als Ziel genannt wird. Die Arbeiten daran sollen laut Bildungsministerium im Frühjahr starten.

Das Konzept der Universitätenkonferenz (uniko) sieht konkret vor, dass die Unis für ihre Lehramtsangelegenheiten jeweils "Schools of Education" als eine eigene Organisationseinheit einrichten und dort auch jenes PH-Personal übernehmen, das bisher schon in den gemeinsam angebotenen Lehramtsstudien gelehrt hat. In Bundesländern ohne Volluniversitäten sollen Uni-Zweigstellen gegründet oder weiter mit PHs vor Ort kooperiert werden. Gebäude und Infrastruktur der derzeitigen PH sollen weiter genutzt und auch ein Teil des PH-Lehrpersonals übernommen werden. Aus uniko-Sicht würde das Modell die Lehrerbildung günstiger machen, die Personalplanung und Abstimmung der Studienpläne verbessern und sicherstellen, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Fortschritte "möglichst ohne Zeitverzögerung" in den Schulen ankommen.

Zusammenfassung
  • Die Pädagogischen Hochschulen (PH) kritisieren den Vorschlag der Universitäten, die gesamte Lehrerausbildung und Weiterbildung zu übernehmen, als "Irrweg" und warnen vor einem Verlust des Praxisbezugs.
  • Die Österreichische Hochschülerinnenschaft (ÖH) lehnt die Übertragung des Volksschullehramts an Universitäten ab und warnt davor, dass das Studium nicht zu einem "reinen Theoriestudium" werden dürfe.
  • Im Regierungsprogramm der aktuellen Koalition ist die Schaffung von "Schools of Education" vorgesehen, deren Ausarbeitung im Frühjahr beginnen soll und bei denen laut Uniko PH-Personal und Infrastruktur übernommen werden könnten.