puls24.at

Pflichtschulen kriegen ab Herbst mehr Unterstützungspersonal

03. Juli 2020 · Lesedauer 3 min

Seit Jahren haben Lehrergewerkschaft und Schulerhalter mehr Unterstützungspersonal für die Pflichtschulen gefordert, im Herbst soll es nun kommen. Bis zu 1.000 Langzeitarbeitslose und Wiedereinsteiger sollen spätestens mit September Direktoren und Pädagogen bei der Verwaltung entlasten, haben die Minister Heinz Faßmann (Bildung) und Christine Aschbacher (Arbeit, beide ÖVP) am Freitag angekündigt.

Während an den Bundesschulen (AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS) bereits überall zumindest stundenweise Sekretariatskräfte im Einsatz sind, ist das an den deutlich kleineren Pflichtschulen (v.a. Volks-, Neue Mittelschule) nur bei einem Zehntel der Fall. Laut der OECD-Lehrerstudie TALIS gibt es in Österreich eine administrative Kraft pro 15 Lehrer, im EU-Schnitt sind es nur zehn. Folge davon ist, dass dort Schulleiter und teilweise auch Lehrer viel Zeit mit Verwaltung verbringen, die ihnen dann für ihre pädagogische Arbeit fehlt. Forderungen nach mehr Unterstützungspersonal seien deshalb auch "durchaus berechtigt" gewesen, so Faßmann.

Das neue Modell sieht nun vor, dass bis zu 1.000 Langzeitarbeitslose, benachteiligte Personen am Arbeitsmarkt und Wiedereinsteiger für den Einsatz an den Pflichtschulen geschult werden und diese bei Verwaltung und Organisation entlasten. Im Herbst wird zunächst mit 500 Vollzeitstellen gestartet, im Herbst 2021 sollen weitere 500 folgen. Das Projekt läuft bis 2022.

Insgesamt soll es dafür bis zu 54,6 Mio. Euro geben. Ein Drittel der Kosten müssen die Dienstgeber übernehmen, wobei der Bund keine Vorgabe macht, ob das Länder oder Gemeinden sein sollen. Vollzeit gibt es für die Unterstützungskräfte 2.000 Euro brutto, einschlägige Vordienstzeiten sind anrechenbar.

In Niederösterreich wolle man zunächst mit 100 Assistenzstellen starten, betonte Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bei dem Termin und hoffte auf eine Effizienzsteigerung an den Schulen durch die Maßnahme. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) plädierte dafür, möglichst bald mit der Einschulung zu beginnen, da besonders gegen Ende der Ferien viel Verwaltungsarbeit an den Schulen anfalle. Er appellierte außerdem, dass die freiwerdenden Ressourcen zur Förderung benachteiligter Schüler eingesetzt werden sollen.

Bei der Abwicklung orientiert sich die Regierung an bestehenden Modellen wie jenem in Salzburg, wo ein eigener Trägerverein in enger Abstimmung mit der Bildungsdirektion den Einsatz des Personals organisiert, das jeweils mehreren Schulen zugeteilt werden kann. In Salzburg sind laut Bildungslandesrätin Maria Hutter (ÖVP) bereits an 70 Prozent der Pflichtschulen Sekretariatskräfte stundenweise im Einsatz, die Jobs seien heiß begehrt.

Laut Aschbacher soll nun unter den derzeit rund 60.000 Langzeitarbeitslosen in Kooperation mit den Ländern Personal gefunden werden, das einem bundesweit einheitlichen Jobprofil entspricht. Es soll dann entsprechend geschult werden und schrittweise spätestens mit September ihre Arbeit aufnehmen. Hier könne man bereits auf Erfahrungen aus der Initiative 50plus aufbauen, betonte Mikl-Leitner. Mittelfristig könnten die Unterstützungskräfte über den Finanzausgleich abgewickelt werden.

Quelle: Agenturen