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"Partygate": Boris Johnson weiter unter Druck

05. Feb. 2022 · Lesedauer 2 min

In der "Partygate"-Affäre um Lockdown-Feiern in der Downing Street hat ein weiterer konservativer Abgeordneter dem britischen Premierminister Boris Johnson sein Misstrauen ausgesprochen.

"Um Vertrauen wieder herzustellen, müssen wir den Premierminister auswechseln", schrieb der Politiker Nick Gibb in einem Gastbeitrag für den "Telegraph". Es sei leider kaum vorstellbar, dass Johnson die Wahrheit sage. "Die Wahrheit zu sagen ist wichtig - und nirgendwo so sehr wie im Unterhaus."

Johnson hat sich zwar dafür entschuldigt, dass trotz der allgemeinen Corona-Beschränkungen im Regierungssitz Feiern stattfanden. Er vertritt aber immer noch der Meinung, selbst keine Regeln gebrochen zu haben. Daran gibt es erhebliche Zweifel. Inzwischen haben ihm nach Medienberichten mindestens 18 Abgeordnete der eigenen Partei das Vertrauen entzogen, was ein Misstrauensvotum wahrscheinlicher macht. Die Polizei ermittelt.

Johnson mit Bierdose

Neuen Zündstoff lieferte der "Mirror": Das Blatt berichtete unter Berufung auf nicht genannte Quellen über ein der Polizei vorliegendes Foto, das zeige, wie Johnson bei einer Feier zu seinem Geburtstag 2020 eine Bierdose in der Hand halte und anderen zuproste. Der konservative Regierungschef betont immer wieder, nur kurz und im Zusammenhang mit Arbeitsterminen bei Versammlungen dabei gewesen zu sein. Ein Untersuchungsbericht hatte den Verantwortlichen in der Downing Street wegen der Partys Führungsversagen attestiert.

Misstrauensvotum möglich

Entziehen mindestens 54 Tory-Abgeordnete Johnson ihre Unterstützung, käme es zu einem Misstrauensvotum. Auch im Kabinett sorgt "Partygate" für Unruhe: Finanzminister Rishi Sunak, der als möglicher Nachfolger gehandelt wird, distanzierte sich von einem Angriff Johnsons auf Oppositionschef Keir Starmer, bei dem sich der Premier einer rechten Verschwörungstheorie bedient hatte. Daraufhin sollen andere Kabinettsmitglieder der "Times" zufolge Sunak egoistische Manöver vorgeworfen oder sich für dessen Rücktritt ausgesprochen haben.

Quelle: Agenturen / koa