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Paris will Ausbau der Atomenergie forcieren

Heute, 16:02 · Lesedauer 2 min

Frankreich will den Ausbau der Atomenergie verstärkt vorantreiben. Die neue Strategie zur Energieversorgung des Landes sieht den Bau von sechs neuen Atomkraftwerken ab 2038 sowie die Option zum Bau von acht weiteren AKW vor. Um alle 57 bestehenden Atomkraftwerke am Netz zu halten, wird auf eine Verlängerung der Laufzeit auf 50 oder 60 Jahre gesetzt. Die in der vorherigen Mehrjahresplanung noch vorgesehene Stilllegung älterer Atommeiler ist damit vom Tisch.

Die Produktion von Atomstrom, der rund zwei Drittel der französischen Elektrizitätsversorgung abdeckt, soll bis 2030 erhöht werden, erklärte Frankreichs Premier Sébastien Lecornu bei der Vorlage der neuen Strategie. Frankreich ist nach den USA der zweitgrößte Atomstromproduzent und exportiert diesen unter anderem auch nach Deutschland. Der Ausbau erneuerbarer Energien soll nach der neuen Strategieplanung eine zweite Säule der französischen Energieversorgung bleiben, teils aber langsamer als bisher geplant erfolgen.

Dies ist bei Offshore-Windparks der Fall, wo es bei geplanten Projekten teils an Kandidaten mangelt und die Anbindung an die Stromnetze gewährleistet werden muss. Auch bei Windkraftanlagen an Land, wogegen sich in Frankreich häufig Widerstand regt, werden die Ausbauziele nach unten korrigiert. Der Schwerpunkt soll auf die Modernisierung bereits bestehender Windkraftanlagen gelegt werden, auch um die Beeinträchtigung der Landschaft zu reduzieren.

Die Neuauflage von Frankreichs Energiestrategie hatte sich wegen eines politischen Streits um deren Ausrichtung jahrelang verzögert. Konservative und Rechte wollen im Wesentlichen auf Kernkraft setzen und halten nicht viel von Investitionen in erneuerbare Energien, wie sie aus dem linken und grünen Lager gefordert werden. Angesichts unklarer Machtverhältnisse im Parlament galt es für Premier Lecornu, die unterschiedlichen Sichtweisen abzuwägen.

Ziel der neuen Strategie ist es, den Anteil fossiler Energiequellen an Frankreichs Gesamtversorgung von 58 Prozent im Jahr 2023 auf 40 Prozent bis 2030 zu senken. Im Strombereich ist der Anteil fossiler Energieträger in Frankreich mit etwa fünf bis neun Prozent extrem gering, da rund zwei Drittel des Strombedarfs mit CO2-freier Kernenergie abgedeckt werden. In Frankreich wurden 2024 im Jahresschnitt für die Produktion einer Kilowattstunde Strom knapp 22 Gramm CO2 emittiert, in Deutschland circa 360 Gramm. In Österreich waren es 2025 rund 86 Gramm CO2 pro Kilowattstunde.

Zusammenfassung
  • Frankreich will ab 2038 sechs neue Atomkraftwerke bauen und die Laufzeiten aller 57 bestehenden Reaktoren auf 50 oder 60 Jahre verlängern, wobei geplante Stilllegungen gestrichen werden.
  • Bis 2030 soll der Anteil fossiler Energiequellen an der Gesamtversorgung von 58 auf 40 Prozent sinken, während rund zwei Drittel des Strombedarfs weiterhin durch CO2-freie Kernenergie gedeckt werden.
  • Frankreich emittiert mit 22 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom deutlich weniger als Deutschland (360 g) und Österreich (86 g), bleibt aber beim Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere bei Windkraft, hinter bisherigen Plänen zurück.