Nahost-Experte: Taliban "streben nach internationaler Anerkennung"

17. Aug 2021 · Lesedauer 1 min

Die Ankündigungen der Taliban sollen Bestrebungen nach einer internationalen Anerkennung der Organisation zeigen, sagt Nahost-Experte Thomas Schmidinger. Dennoch könne man laut ihm durchaus skeptisch gegenüber deren Ansagen sein.

"Die Taliban genießen ein Misstrauensvotum", sagt der Nahost-Experte Thomas Schmidinger. Die Organisation müsse unter Beweis stellen, dass sie tatsächlich hier ein, zumindest in Akzenten, anderes Regime errichten als vor 2001", erklärt Schmidinger im PULS 24 Interview. Die aktuellen Ankündigungen der Taliban-Anführer würden andeuten, dass sich die Organisation "zumindest an gewisse Spielregeln" halten will. Das zeige, dass die Taliban "nach internationaler Anerkennung streben", sagt der Nahost-Experte.

Dennoch könne man laut Schmidinger zurecht skeptisch sein, ob die Taliban diese Ankündigungen auch einhalten. Wahrscheinlich sei, dass sie versuchen werden mit "drakonischen Maßnahmen ein Machtmonopol zu erstellen, um den Krieg zu beenden." Vor allem in den ländlichen Regionen, wo viele Zivilisten durch amerikanische Drohnenangriffe ums Leben kamen, würde man ein Ende des Krieges begrüßen. "Es gibt wahrscheinlich sehr viel mehr Afghanen im Moment, die einfach eine Beendigung des Krieges wollen, egal wer diesen Krieg beendet, als wirklich eine Herrschaft der Taliban", sagt Schmidinger. 

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea