APA/dpa/Arne Dedert

Nach Home Invasion: Zwei Mal lebenslange Haft

13. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Der Prozess nach einer brutalen Home Invasion im Herbst des Vorjahres in Eggersdorf bei Graz hat am Montag mit zwei Mal lebenslanger Haft für die beiden Angeklagten geendet.

Die Männer im Alter von 44 und 50 Jahren versuchten laut Anklage eine 55-jährige Burgenländerin vor den Augen der dreijährigen Enkelin zu töten, schlugen auf sie ein und stachen ihr zwei Messer in den Rücken. Das Opfer überlebte und identifizierte die Verdächtigen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Mordversuch bestritten 

Die beiden Oststeirer waren auch am dritten und letzten Prozesstag bei ihren Verantwortungen geblieben: Einer der beiden gestand den Raubüberfall, bestritt aber den Mordversuch. Der andere will nicht einmal dort gewesen sein, Beweise belasteten ihn allerdings schwer. In der Vorwoche waren vorwiegend die beiden Beschuldigten, die sich aus früheren Gefängnisaufenthalten kannten, sowie die Ermittler der Polizei befragt worden. Am Montag standen das Opfer sowie Tochter und Schwiegersohn auf der Zeugenliste. Die Eltern der dreijährigen Enkelin schilderten, was ihre Tochter über die Tat sagt: "Sie träumt immer noch davon und erzählt von den bösen Männern, die der Oma wehgetan haben", sagte der Vater der Kleinen - übrigens der Schwager des 44-jährigen Angeklagten.

Kind berichtet 

Das Kind erzählt den Eltern offenbar immer wieder, wie die Großmutter vom "Mann ohne Haare" mehrfach mit einem Messer in den Rücken gestochen wurde. Dabei zeige das Mädchen die Handbewegungen vor. Der "Mann mit den weißen Haaren" dagegen habe die Oma gefesselt, erzählte die Mutter des Kindes. Entgegen ersten Angaben wurde die Enkelin bei dem Überfall doch verletzt: Sie hatte ein blaues Auge und war im Gesicht geschwollen.

Resolutes Opfer 

Die Großmutter schilderte mit bemerkenswerter Resolutheit, wie sie von den Tätern überfallen wurde. "Ich dachte gleich, sie werden mir vielleicht etwas tun, weil einer der beiden hatte keine Maske getragen", sei ihr damaliger Gedanke gewesen. Sie schaffte es, ihr Mobiltelefon zu verstecken, mit dem sie später selbst noch die Rettung rufen konnte.

Nüchtern beschrieb sie, wie sie von einem der Täter gefesselt wurde und sich im Wohnzimmer vor das Sofa kniete: "Dann wurde es plötzlich ganz ruhig und dann ging es schon puff, bang auf meinen Schädel und ich bekam auch links und rechts eine rein." Ihre Enkelin, die zu dem Zeitpunkt vor ihr auf dem Sofa saß, begann zu weinen. Dann sei es erneut still gewesen und "ich überlegte schon, ob es das nun schon war und ich mit dem Handy die Polizei rufen kann", so die Frau aus Oberwart. Dann hörte sie aber ein Schnaufen und spürte, wie ihr mehrfach in den Rücken gestochen wurde.

Als die Täter weg waren, schaffte sie es, die Einsatzkräfte zu rufen und beschrieb auch, dass die Räuber wohl mit ihrem Wagen geflüchtet sein dürften. "Unpackbar, ich lieg' vor Ihnen", schwärmte der vorsitzende Richter Helmut Wlasak von der 55-Jährigen, die geistesgegenwärtig trotz ihrer Verletzungen und in Angst offenbar richtig agiert hatte.

Quelle: Agenturen / Redaktion / foj