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Mündliche Matura heuer doch noch ohne Mindestquote

Heute, 13:26 · Lesedauer 2 min

Bei der diesjährigen mündlichen Matura im Juni wird es - anders als von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) angekündigt - doch keine Mindestquote für das Bestehen geben. Wer im Jahreszeugnis keine schlechtere Note als einen Dreier hat und bei der schriftlichen Matura 30 Prozent der Punkte erreicht, muss damit auch heuer bei der mündlichen Prüfung bloß "mitwirken". Die Antworten müssen also nur in Zusammenhang mit der Frage stehen, richtig sein müssen sie nicht.

Seit der Coronapandemie 2020 wird die Jahres- in die Maturanote eingerechnet. Steht man dadurch genau zwischen zwei Noten, "sticht" die Klausurnote. Wer ein Befriedigend oder eine bessere Note im Jahreszeugnis hatte, ist durch die Regelung vorm Durchfallen weitgehend geschützt.

Dass Schülerinnen und Schüler mit guter Zeugnisnote selbst dann auf der sicheren Seite waren, wenn sie bei der schriftlichen Klausur nur ein leeres Blatt abgaben, sorgte schon im ersten Jahr vereinzelt für Probleme. Als Reaktion wurde die Regelung nachgeschärft: Wer weniger als 30 Prozent der Punkte erreicht, fällt seit 2021 automatisch durch. Bei der mündlichen Matura gibt es dagegen weiterhin keine Mindestanforderung.

Bildungsminister Wiederkehr hatte schon im Vorjahr angekündigt, dieses Schlupfloch zu schließen und auch bei der "Mündlichen" einen "Schwellenwert" einzuführen. Eine Einigung mit den Koalitionspartnern von ÖVP und SPÖ ist allerdings nicht mehr rechtzeitig für die mündlichen Prüfungen in diesem Juni zustande gekommen. Als Grund nennt das Ministerium gegenüber der APA, dass die Änderung als Teil eines Pakets beschlossen werden soll.

Im Rahmen von "Freiraum Schule", der Entbürokratisierungs-Initiative des Ministeriums, habe es zahlreiche Einmeldungen zur Matura gegeben. Die Vorschläge sollen nun mit den Schulpartnern evaluiert und gemeinsam rechtlich verankert werden. Ziel sei, dass Schulen "einen klaren und transparenten Überblick über sämtliche Neuerungen" bekommen und die Änderungen dann auf einmal eingeführt werden können. Neues Ziel ist eine neue Verordnung für den Maturajahrgang 2027.

In der AHS-Lehrergewerkschaft zeigte man sich gegenüber der APA enttäuscht über die Verschiebung. Von den Schulen werde über verschiedene Kanäle von Problemen aufgrund der aktuellen Regeln berichtet, so der Vorsitzende Herbert Weiß (FCG). "Die Änderung war schon seit einem Jahr angekündigt und die Kolleginnen und Kollegen haben damit gerechnet." Dass nun die aus Sicht der Lehrervertretung so wichtige Neuregelung ausgerechnet mit dem Argument verschoben werde, dass man noch Verbesserungen aus der Initiative "Freiraum Schule" einarbeiten will, sei "skurril".

Zusammenfassung
  • Die mündliche Matura im Juni 2024 findet weiterhin ohne Mindestquote statt, obwohl Bildungsminister Christoph Wiederkehr ursprünglich eine solche angekündigt hatte.
  • Wer im Jahreszeugnis höchstens einen Dreier hat und bei der schriftlichen Matura mindestens 30 Prozent der Punkte erreicht, muss bei der mündlichen Prüfung nur 'mitwirken', wobei die Antworten nicht korrekt sein müssen.
  • Eine neue Regelung mit Mindestanforderung soll laut Ministerium erst ab dem Maturajahrgang 2027 gelten, nachdem eine rechtzeitige Einigung mit ÖVP und SPÖ für heuer nicht zustande kam.