Minderjährige Flüchtlinge verschwinden: "Regierung bisher nicht interessiert"

12. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

NEOS-Asylsprecherin Stephanie Krisper und die SOS-Kinderdorf-Kinderschutzbeauftragte Birgit Schatz kritisieren, dass 4.489 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Österreich verschwunden sind.

Zwischen 2018 und 2020 sind in Europa 18.292 unbegleitete Kinder auf der Flucht verschwunden. Besonders drastisch war es im Vorjahr in Österreich: Von 5.768 Minderjährigen, die 2021 um Asyl angesucht haben, sind 4.489 - mehr als drei Viertel - spurlos verschwunden. Was mit ihnen geschah, wissen die Behörden nicht. Zu befürchten steht, dass ein guter Teil Opfer von Kinderhandel, Drogenkriminalität oder Kinderprostitution wurde. 

Vulnerabel für Kinderhandel

Neu sei das alles nicht, sagt Stephanie Krisper von den NEOS - man frage die Zahlen "seit Jahren" aus den Ministerien an. "Die Regierung hat es bisher nicht interessiert", kritisiert sie. Es sei "sehr, sehr billig" nun so zu tun als wäre das neu, so Krisper. Österreich ist tatsächlich eines von nur drei Ländern der EU, in denen es durchschnittlich mehr als ein Monat dauert bis eine Obsorgeberechtigter bestellt wird.

Und genau das sei das Problem, sagt Krisper. Die Kinder und Jugendlichen seien unzureichend untergebracht - nicht, "wie es für Kinder gut wäre". Vielleicht ziehen sie deshalb lieber "ins Nichts" weiter. Weil niemand ein Auge auf sie habe, werden sie außerdem "vulnerabel" für Kinderhandel. 

Flüchtlinge brauchen Obsorge "ab dem ersten Tag"

Kinderschutzbeauftragte Birgit Schatz sieht das Grundproblem ebenfalls in der Unterbringung: Die meisten unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlinge würden in Erstaufnahmezentren landen, wo auch Erwachsene hinkommen. Diese Zentren "sind nicht kinderrechtskonform, das ist das große Problem". 

Der Grund, warum so viele verschwinden, liege nicht darin, dass sie nicht registriert werden würden. Es gibt niemanden, der Obsorgepflicht hat, sie werden "nicht umfassend aufgenommen und betreut". Die Flüchtlinge brauchen "Obhut ab dem ersten Tag", so Schatz.

Zadić verspricht Besserung

Justizministerin Alma Zadić (Grüne) hat nun die Weichen für den besseren Schutz unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge gestellt. Zustände wie bisher, in denen es oft tage- oder sogar wochenlang dauerte bis klar war, wer für unbegleitete minderjährige Schutzsuchende verantwortlich ist, sind einfach nicht mehr tragbar", konstatierte Zadić. Man wolle nun Obsorge ab dem ersten Tag in allen Bundesländern, wie es das in Wien schon gibt.

Quelle: Redaktion / koa