APA - Austria Presse Agentur

Militärs versuchen Putsch in Guinea

05. Sept 2021 · Lesedauer 2 min

Im westafrikanischen Guinea ist ein Putschversuch von Militärs im Gange.

Spezialkräfte der Armee hätten Präsident Alpha Condé am Sonntag gefangen genommen und die Regierung "aufgelöst", hieß es in einem Video der Putschisten, das der Nachrichtenagentur AFP zuging. Die Lage war aber unklar: Das Verteidigungsministerium erklärte seinerseits, ein Angriff auf den Präsidentensitz durch die Spezialeinheit sei zurückgeschlagen worden.

In dem Video der Putschisten hieß es, nach der Gefangennahme des Präsidenten sei beschlossen worden, die Verfassung außer Kraft zu setzen und die Institutionen aufzulösen. "Wir haben auch beschlossen, die Regierung abzusetzen und die Grenzen zu schließen", sagte ein uniformierter und bewaffneter Putschist in dem Video, das in den Online-Diensten weite Verbreitung fand, aber nicht vom Staatsfernsehen veröffentlicht wurde.

Präsident in Gewalt der Putschisten

In dem Video ist auch der Präsident zu sehen, der sich in der Gewalt der Putschisten befand. Condé - in Jeans und Hemd auf einem Sofa sitzend - weigerte sich darin auf die Frage der Putschisten zu antworten, ob er misshandelt worden sei.

Aus der Hauptstadt Conakry war zuvor gemeldet worden, dass es zu anhaltenden Schusswechseln gekommen sei und viele Soldaten auf den Straßen seien. Das Militär war vor allem auf den Straßen der Halbinsel Kaloum zu sehen, wo sich das Präsidialamt und zahlreiche Regierungsinstitutionen des westafrikanischen Landes befinden, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Ein westlicher Diplomat sagte, er habe "keine Zweifel", dass ein Putschversuch im Gange sei, der von Spezialkräften angeführt werde. Seinen Informationen zufolge hat die Eliteeinheit den Präsidentenpalast zumindest vorübergehend übernommen. Der Diplomat, der anonym bleiben wollte, vermutete als Ursache Spannungen zwischen der Regierung und dem Kommandanten der Spezialeinheit.

Präsident Condé hatte vergangenes Jahr eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die ihm eine dritte Amtszeit ermöglichte. Im Oktober ging der heute 83-Jährige nach offiziellen Angaben aus der von Gewalt begleiteten, umstrittenen Wahl als Sieger hervor, was wiederum zu Massenprotesten führte. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften starben damals dutzende Menschen.

Quelle: Agenturen