Militärs drängen bei Abfangjägern auf baldige Entscheidung
Die aktuellen "Eurofighter Typhoon" der Tranche 1 kommen allerspätestens 2037 bzw. 2039 an ihr Ende, erklärte Vodosek: "Die haben ein Ablaufdatum." Dieses liege etwa 30 Jahre nach deren Anschaffung. Der erste Eurofighter ist 2007 in Österreich gelandet, der letzte 2009. Zudem laufe der Vertrag über die Versorgung mit Ersatzteilen über 30 Jahre. "Also theoretisch betreibbar sind die Flugzeuge bis 2037 bzw. 2039." Die Ersatzteile werden aber sukzessive teurer, da in den kommenden Jahren immer weniger Länder diesen Typ betreiben werden.
Zudem sei die Zielsetzung, ab 2033 ein neues Luftfahrzeugsystem nach Österreich zu bringen, so Vodosek. Gleichzeitig soll aber das alte System parallel weitergeflogen werden, bis das neue komplett eingeführt ist, erklärte der Rüstungsdirektor: "Damit wir keine Fähigkeitslücke haben, wie das beim Übergang vom Draken auf den Eurofighter der Fall war." Nun wolle man einen fließenden Übergang sicherstellen, um den Schutz der österreichischen Bevölkerung zu gewährleisten. Daher ergibt es aus Sicht der militärischen Planung ein "gewisser Druck", wie Vodosek ausführte: "Das ist ein Faktum."
Die Anzahl von 36 neuen Überschall-Kampfflugzeugen ergibt sich aus der militärischen Beurteilung und sei eine militärische Notwendigkeit, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten und die Souveränität sicherzustellen, betonte der Airchief des Bundesheeres, Gerfried Promberger: "Die Grundlinie war immer der Schutz der österreichischen Bevölkerung." Daher habe man die entsprechende Planung erstellt. Aus militärischer Sicht sei die Nachbeschaffung "alternativlos".
"Wenn weniger kommt, gibt es de facto auch weniger Leistung. Darüber muss man sich einfach im Klaren sein", meinte Promberger auf die Frage, ob es bei der Stückzahl auch Abstriche geben könnte. "Letztlich muss die Politik entscheiden, welches Risiko sie gehen möchte." Gleichzeitig gab Promberger zu bedenken, dass die Souveränität nicht nur am Boden gelte, sondern auch zwei Meter über dem Boden. Für die Sicherung des heimischen Luftraums sei "ausschließlich" die Republik Österreich verantwortlich: "Das kann auch kein anderer übernehmen."
Rund zehn Milliarden an Kosten
Vodosek geht bei der Beschaffung von etwas mehr als 200 Mio. Euro pro Stück aus. Dazu komme noch ein Grundpaket, das Ausbildung, Simulation und Materialerhaltung umfasst. Also werde man bei einem Rahmen von zehn Mrd. zu liegen kommen, so Vodosek: "Das ist auch abgeleitet aus Beschaffungen anderer Nationen." Im Aufbauplan 2032+ sei dies aber noch nicht abgebildet.
Das Budget ist notwendig, "bevor wir ausschreiben, bevor wir mit Rechtsverbindlichkeit auf den Markt treten", erklärte Vodosek: "Spätestens da müssen die Geldmittel vorhanden sein." Und das sei in der derzeitigen Planung eben spätestens für das zweite Quartal 2028 vorgesehen. Davor könne freilich die Analyse und die Leistungsbeschreibung unabhängig davon erfolgen. Dennoch sei der zeitliche Spielraum gering.
Zusammenfassung
- Die Entscheidung über die Nachbeschaffung der Eurofighter muss laut Bundesheer spätestens im zweiten Quartal 2028 fallen, da zu diesem Zeitpunkt die finanziellen Mittel bereitstehen müssen.
- Die aktuellen Eurofighter Typhoon der Tranche 1 können aufgrund ihrer Lebensdauer und der Ersatzteilversorgung nur noch bis spätestens 2037 bzw. 2039 betrieben werden.
- Für den Schutz der Bevölkerung und die Wahrung der Souveränität sind laut militärischer Planung 36 neue Überschall-Kampfflugzeuge notwendig, was Gesamtkosten von rund zehn Milliarden Euro bedeutet.
