Karner: Russische Truppen "erheblich geschwächt"

29. März 2022 · Lesedauer 3 min

Für Offizier und Militärexperte Gerald Karner bleibt es abzuwarten, ob Russland seinen angekündigten Truppenrückzug in der Ukraine wirklich durchzieht. Im Interview im Newsroom LIVE sieht er die ukrainische Position in den Friedensverhandlungen gestärkt - die Ukraine zeigt sich aber trotzdem "sehr zurückhaltend".

Am Dienstag kündigte Russland an, seine militärischen Aktivitäten in den Umgebungen der ukrainischen Städte Kiew und Chernihiv reduzieren zu wollen. Für Gerald Karner bedeutet dies, dass in diesen Regionen sowohl das ukrainische Militär zu stark für die russischen Truppen war als auch, dass die russischen Einheiten zu schwach waren, um weiterhin dort vorzurücken.

Karner merkt allerdings an, dass man abwarten müsse, ob diese Ankündigungen Russlands überhaupt umgesetzt werden. Dies würde sich laut dem Offizier "in den nächsten beiden Wochen" zeigen. Ob Russland "das ernst" meint, oder ob es nur eine Ankündigung war, um von einem etwaigen kommenden "Großangriff" abzulenken. bleibt für Karner offen. 

Truppen "eingekesselt"

Die russischen Kräfte nordwestlich von Kiew sind bereits "erheblich geschwächt", erklärt der Militärexperte. Karner beruft sich hierbei auf Quellen, welche davon berichten, dass diese Truppen bereits vom ukrainischen Militär "eingekesselt" seien. Der Offizier merkt an, dass es in dieser Region in den letzten Tagen wieder häufiger zu Kämpfen gekommen ist. Er vermutet, dass sich die russischen Truppen "den vielleicht einzigen" Rückzugsweg zurück erkämpft hätten – Richtung Belarus.

Sollte Russland das Gebiet um Kiew komplett von seinen Truppen "entblößen", so Karner, und diese komplett in die Ostukraine zurück in die Separatistengebiete verlagern, hätte auch die ukrainische Seite die Gelegenheit ihre Truppen dort zu verstärken. Der Offizier geht deswegen davon aus, dass das russische Militär weiterhin "einen gewissen militärischen Druck" nördlich von Kiew ausüben wird, um dort ukrainische Truppen "zu binden".

Vorteile in Friedensgesprächen 

Die Frage, ob die Ukraine aufgrund der angekündigten Räumungen einen Vorteil in den Friedensverhandlungen erhalten habe und sich so die Verhandlungsposition gestärkt hätte, bestätigt Karner. Die ukrainische Seite zeig sich dennoch "sehr zurückhaltend" und möchte selbst Angebote machen – zum Beispiel die der Neutralität. "Die Frage ist aber wie die Ausgestaltung dieser Garantien ist", gibt Karner zu bedenken. Er meint damit, dass andere Staaten ihre Zusage geben müssten, im Falle eines erneuten Einfalls in die Ukraine einzugreifen. Dies könnte durch die Beteiligung der USA funktionieren, erklärt der Militärexperte abschließend. 

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Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj