Karner: Der "ganze Plan" der Russen "verfehlt" angelegt

24. März 2022 · Lesedauer 3 min

Die Russen seien nicht so stark, wie der Westen geglaubt hätte, deshalb habe vor vier Wochen auch niemand gedacht, dass die Ukraine so lange durchhält, erklärt Militärexperte und Offizier Gerald Karner. Noch seien die Ukrainer aber zu schwach für eine Gegenoffensive, auch wenn russische Truppen bei Kiew eingekesselt zu sein scheinen.

"Vor vier Wochen", so Militärexperte und Offizier Gerald Karner "hätte noch niemand gedacht", dass nach vier Wochen die Ukraine noch in der Hand der Ukrainer sei. Der "ganze Plan" der Russen sei "verfehlt" angelegt gewesen, "von der politischen Führung beginnend, bis zur militärischen Umsetzung". Sichtbar werde das besonders im Raum um Kiew. Dort sollen die ukrainischen Streitkräfte zum Gegenangriff übergegangen sein. Nordwestlich von Kiew seien Teile russischer Truppen laut "durchaus glaubwürdiger" Angaben eingekesselt.

Ukraine noch zu schwach für Gegenoffensive

Nun sei laut dem Militärexperten fraglich, ob die Ukraine die militärische Kraft habe, diesen Kessel "einzudrücken". "Das scheint im Moment noch nicht der Fall zu sein." Die Ukrainer hätten nicht genug freie Kräfte für eine Gegenoffensive, müssten, um das bewerkstelligen zu können, an anderen Orten entlastet werden. Aber neben der humanitären Katastrophe, die in Mariupol passiert, sei auch Charkiw heiß umkämpft und Truppen dort, sowie in der Ostukraine, gebunden.

Aber auch russische Streitkräfte scheinen "überdehnt" zu sein, etwa beim Nachschub mit Munition, Lebensmitteln und Treibstoff.

Westen überschätze Russland

Im Westen sei man der russischen Propaganda zum Teil aufgesessen, die Streitkräfte "wurden für stärker und moderner gehalten, als sie tatsächlich offenbar zu sein scheinen". Auf russischer Seite greife man auf Reservisten und wahrscheinlich bald auf aus dem Wehrdienst Entlassene zurück. Das sei ein Zeichen von Schwäche.

Die russischen Streitkräfte seien laut Karner auf "80 bis 90 Prozent" geschrumpft, es wird von etwa 10.000 Gefallenen und einem Vielfachen von Verletzten ausgegangen.

"Wenn alles streng nach Plan läuft, dann frag ich mich was der Plan war"

Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow verläuft der Angriff in der Ukraine "nach Plan". "Wenn alles streng nach Plan läuft, dann frag ich mich, was der Plan war", widerspricht der Militärexperte dem Russen. Ein "Zermürbungs- und Abnützungskrieg" könne nicht der Plan gewesen sein, denn das gelte für beide Seiten. "Das kann nicht im russischen Interesse sein." Die Aussage sei nicht ernst zu nehmen.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam