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Met-Direktor Hollein: Comeback für New York mit "voller Power"

13. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Met-Direktor Max Hollein führte Bundeskanzler Sebastian Kurz durch das Museum am Central Park. Dabei zeigte sich Hollein durchaus optimistisch, dass New York im September mit "voller Power" aus der Corona-Pandemie zurückkehre.

Optimistisch blickt der Direktor des New Yorker Metropolitan Museum (Met), Max Hollein, in die Zeit nach der Pandemie. "New York wird in voller Power zurück sein im September", sagte Hollein am Montagnachmittag (Ortszeit) vor Journalisten in New York. Bei einer Führung für Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) berichtete er, dass sein Haus schon wieder zu 60 Prozent ausgelastet sei. Der auf eine volle Auslastung fehlende Rest seien Touristen, die derzeit nicht ins Land dürfen.

Der Hunger der New Yorker nach Kunst zeige sich etwa bei der Retrospektive für die heimische Künstlerin Alice Neel. "Diese Ausstellung hat eingeschlagen wie eine Bombe", sagte Hollein. Das Lebensgefühl in der US-Metropole sei derzeit, wohl auch der Jahreszeit geschuldet, "sehr swinging", berichtete der Wiener Kunstmanager. Mit großen Erwartungen blickt er auch auf die traditionelle Met Gala am 13. September, die eines der ersten großen gesellschaftlichen Ereignisse in New York nach der Pandemie sein werde. Mit der Spendengala wird der kostenlose Betrieb des Museums finanziert.

PULS 24 berichtet aus New York von der Auslandreise des Kanzlers.

Kunstverkäufe um Gehälter zahlen zu können

Hollein hatte während der Pandemie mit seinem Vorschlag für Aufsehen gesorgt, Einnahmen aus Kunstverkäufen für die Bezahlung von Gehältern zu verwenden. Im APA-Gespräch erläuterte er, dass es dabei um ohnehin geplante Verkäufe gehe, die laufend stattfinden. Man müsse sich also nicht fürchten, dass dem Museum die Kunstwerke ausgehen. Zudem sei das Met verpflichtet, bestimmte Stiftungserlöse für Ankäufe zu verwenden. Man werde somit "für viele Millionen weiter Kunst kaufen", sagte er.

Der Personalstand liege derzeit noch um 15 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie, nachdem man zunächst 20 Prozent der Belegschaft habe kündigen müssen, sagte Hollein weiter. Bis das Haus am Central Park wieder die Besucherzahl vor der Pandemie erreicht (mehr als sieben Millionen jährlich), werde es aber noch zweieinhalb bis drei Jahre dauern, so Hollein.

Am Eingang lockt das Met derzeit mit einem großen Plakat für eine Medici-Ausstellung, für die unter großem Aufwand auch Leihgaben aus Italien beschafft worden sind. Dafür mussten etwa für die italienischen Kuriere Bestätigungen des US-Außenministeriums beschafft werden, dass ihre US-Reise "im nationalen Interesse" ist, wie Hollein erläuterte.

Zukunft des Met im "Zusammenfluss der Kulturen"

Insgesamt will das Museum mit rund zwei Millionen Werken aber von der Europazentriertheit der Kunstvermittlung wegkommen. In den Ausstellungen soll künftig "der Zusammenfluss der Kulturen" aus aller Welt besser dargestellt werden. Einen Anfang bildet dafür ein Raum, in dem Skulpturen aus dem europäischen Mittelalter gemeinsam mit Statuen der gleichen Zeit in Asien und Mittelamerika gezeigt werden.

Den staunenden österreichischen Besuchern erklärte Hollein auch, dass in den kommenden zehn Jahren rund ein Viertel der gesamten Museumsfläche komplett abgerissen werde, um dann - unter "optimierter" Nutzung und architektonisch neu - wieder aufgebaut zu werden. Das allein werde eine Milliarde Dollar kosten. Dem Met seien Zubauten nämlich untersagt, und auch von der Auslagerung von Teilen der Sammlung in Dependancen halte er nichts, so Hollein. Schließlich sei es ein Alleinstellungsmerkmal des Metropolitan Museum of Art, dass alles unter einem Dach zu finden sei.

Hollein berichtete auch, dass die Exponate immer stärker unter gesamtgesellschaftlichen und politischen Gesichtspunkten beobachtet werden. "Die Besucher erwarten, dass ihre Werte im Museum widergespiegelt werden", sagte er. Somit müssen sich Museen heute mit Fragen auseinandersetzen, die noch vor 30 Jahren niemand gestellt habe. Zum Thema "Cancel Culture" meinte Hollein, es sei wichtig, dass Kunstwerke, gerade solche im öffentlichen Raum, in einen Kontext gestellt werden. Zu weit geht ihm jedoch, wenn selbst die Biographie eines Künstlers zum Ausschlusskriterium wird. "Die Erwartungshaltung, dass ein Werk nur von einem moralisch einwandfreien Künstler geschaffen sein darf, ist absurd", sagte er.

Offenlegung: PULS 24 nimmt auf Einladung des Bundeskanzleramts an dieser Auslandsreise teil. Die Kosten werden dabei zum Teil übernommen.

Quelle: Agenturen / pea