Haselmayer: Österreichs "Solidarität mit der Ukraine enden wollend"

07. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Der Meinungsforscher Christoph Haselmayer konstatiert der Politik im Newsroom LIVE "ein verheerendes Bild" angesichts der extrem niedrigen Vertrauenswerte. Die Situation der Teuerung im Herbst könnte "absolut katastrophal" werden.

"Nur 19 Prozent sind mit der österreichischen Bundesregierung sehr zufrieden beziehungsweise zufrieden", das zeigt eine neue Umfrage, so der Wahlforscher Christoph Haselmayer. Ganze 81 Prozent der Befragten zeigten sich weniger oder gar nicht zufrieden. Das sei ein "verheerendes Bild generell für die Politik", so Haselmayer weiter.

SPÖ und FPÖ "im Aufwind"

Trotzdem können sich zwei Parteien bei der Bekämpfung der Teuerung profilieren, nämlich SPÖ und FPÖ: "Die SPÖ ist hier definitiv im Aufwind. Sie ist glaubwürdig bei den Themen, die sie hier vorschlägt." Die SPÖ werde ihrem Namen gerecht, wenn es um eben um Maßnahmen gegen die Teuerung geht – "denn jetzt geht's natürlich um diese Dinge".

Die Freiheitlichen, die "mit dem Thema soziale Heimatpartei spielen", hätten "bereits davor immer auf diese soziale Karte gesetzt". Deshalb sei auch die FPÖ hier klar Nummer eins, so der Meinungsforscher.

"Stimmung gegenüber Ukraine gekippt"

Nicht zuletzt die Sanktionen gegenüber Russland im Gefolge des Angriffs auf die Ukraine haben die Inflation angetrieben. Die Österreicher:innen zeigen sich laut Haselmayer vom Krieg "betroffen". Doch "die Stimmung gegenüber der Ukraine, die kippt nicht nur, die ist bereits gekippt." Mit den enormen Preissteigerungen sei "auch die Solidarität mit der Ukraine enden wollend". Denn "jetzt geht’s ums eigene Überleben und da ist mir definitiv das Hemd näher als der Rock, so der Meinungsforscher weiter.

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Daraus lasse sich auch ableiten, dass die Österreicher:innen für ein Ende der Sanktionen sind, auch wenn es "politisch nicht erwünscht" sei. Kickl und die FPÖ, die schon länger auf diesen Zug aufgesprungen sind, würden in den Umfragen dadurch weiter steigen.

Herbst "absolut katastrophal"

"Gas, Energie, Teuerungen bei Lebensmitteln, all das geht sich bei der Durchschnittsbevölkerung nicht mehr aus und die Politik gibt zu wenig Antworten." Wenn Antworten kommen, dann seien sie zu langsam. Dies "Strompreisrallye" müsse man in den Griff bekommen und "den Strompreis vom Gaspreis entkoppeln". Ansonsten könnte es im Herbst "absolut katastrophal" werden.

Gegen NATO-Beitritt

Mit dem Ukraine-Krieg flammte auch eine kurze Diskussion um die Neutralität Österreichs auf. Die Bevölkerung setzt jedoch mehrheitlich auf die Neutralität: "Neutralität und NATO-Beitritt sind einfach heilige Kühe." So sind "57 % sind der Meinung, die Neutralität schützt uns noch". 71 Prozent sprechen sich gegen einen NATO-Beitritt aus.

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Wäre am Sonntag Nationalratswahl, käme die ÖVP auf 20 Prozent, die SPÖ auf 31 Prozent, die FPÖ auf 21 Prozent (seit Mai 2017 erstmals wieder auf Platz zwei), die NEOS auf 11 Prozent, die Grünen auf 10 Prozent. Die MFG verliert sukzessive und könnte "bald keine Rolle" mehr spielen, so Haselmayer.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp