APA - Austria Presse Agentur

Massenproteste gegen Militärführung in Myanmar

07. Feb 2021 · Lesedauer 3 min

Trotz abgeschalteten Internets und großen Polizeiaufgebots sind am Wochenende Zehntausende in Myanmar gegen die Militärs und ihren Putsch auf die Straße gegangen. Es waren die größten Proteste, seit die Armee in dem südostasiatischen Land die Macht an sich gerissen hat. Schätzungen zufolge strömten am Sonntag in der Wirtschaftsmetropole Yangon bis zu 100.000 Demonstranten auf die Straße. Am Sonntag wurde der Internetzugang wieder teilweise hergestellt.

Die Demokratieaktivisten hielten als Zeichen des Protests drei Finger in die Luft - ein Widerstandssymbol, das der Filmreihe "Tribute von Panem" entnommen ist. Bereits am Vortag hatten tausende Demonstranten die Freilassung der am Montag beim Putsch des Militärs festgesetzten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi gefordert. Unterstützt vom Lärm der Autohupen hielten die Menschen am Sonntag Plakate mit der Aufschrift "Wir wollen keine Militärdiktatur" und "Gerechtigkeit für Myanmar" hoch. Viele von ihnen trugen rote Kleidung und schwenkten rote Fahnen. Rot ist die Farbe der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) der festgenommenen Freiheitsikone Suu Kyi.

Am Ort der Demonstration nahe der Universität in Yangon (Rangun) fuhren Polizeifahrzeuge und Wasserwerfer auf. "Wir machen weiter, bis wir Demokratie bekommen. Nieder mit der Militärdiktatur", sagte der 37-jährige Demonstrant Myo Win der Nachrichtenagentur AFP. Die Demonstranten versammelten sich am Nachmittag am Rathaus, nachdem ihnen der Weg in die Innenstadt an vielen Stellen von der Bereitschaftspolizei versperrt worden war. Auch in der zweitgrößten Stadt Mandalay gingen den zweiten Tag in Folge Menschen auf die Straße. Aus der südlichen Stadt Mawlamyine wurde eine Demonstration mit 400 Teilnehmern gemeldet.

Mit der Lahmlegung des Internets versuchte die Armeeführung seit Freitag, den wachsenden Protest im Land zu ersticken - erfolglos. "Die Generäle versuchen, die Widerstandsbewegung der Bürger zu lähmen - und die Außenwelt im Dunkeln zu lassen - indem sie praktisch den gesamten Internetzugang kappen", sagte Tom Andrews, UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Myanmar.

Nach Angaben der Organisation Netblocks, die weltweit Internet-Sperren dokumentiert, wurde der Internetzugang am Sonntag teilweise wiederhergestellt. Online-Netzwerke wie Facebook und Twitter blieben jedoch weiterhin blockiert. Über diese organisieren die Demonstranten hauptsächlich ihren Protest. Eine "Bewegung des zivilen Ungehorsams" hatte auf Facebook unter anderem zu Streiks in Ämtern und Krankenhäusern aufgerufen.

Die Militärführung hatte am Montag mit einem Staatsstreich die Macht in dem südostasiatischen Land an sich gerissen und die Zivilregierung abgesetzt. Suu Kyi und Präsident Win Myint wurden festgenommen. Der Putsch beendete eine zehnjährige Phase des demokratischen Wandels. Zuvor war Myanmar fast fünf Jahrzehnte lang von einer Militär-Junta geführt worden.

Neben hochrangigen Politikern wurde am Samstag der langjährige Wirtschaftsberater von Suu Kyi, der australische Professor Sean Turnell, in Gewahrsam genommen. "Ich wurde festgenommen und werde vielleicht wegen etwas angeklagt. Ich weiß nicht, was das sein könnte," sagte Turnell dem britischen Sender BBC.

Rund 150 Menschen sollen laut der Organisation Assistance Association for Political Prisoners seit dem Putsch immer noch in Haft sein. Suu Kyi befindet sich nach Angaben eines NLD-Sprechers "bei guter Gesundheit" im Hausarrest in ihrer Residenz in der Hauptstadt Naypyidaw.

Die Armee hatte ihren Putsch mit angeblichen Manipulationen bei der Parlamentswahl im November begründet, die Suu Kyis Partei gewonnen hatte. Regierungen weltweit und die UNO verurteilten den Staatsstreich und forderten die Freilassung aller Festgenommenen.

Am Freitag gelang es der UNO, erstmals direkt mit der Armeeführung in Myanmar in Kontakt zu treten. Die Sondergesandte Christine Schraner Burgener habe in einem Gespräch mit dem stellvertretenden Armeechef die Position der UNO klar zum Ausdruck gebracht, sagte UNO-Generalsekretär António Guterres.

Quelle: Agenturen