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Martha Bißmann, wie Sie sie noch nicht kennen

06. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

SÖZ-Spitzenkandidatin Martha Bißmann ist erst seit 2017 Politikerin, kann aber bereits auf eine recht turbulente Karriere zurückblicken. Die Spitzenkandidatur ohne Parteimitgliedschaft bei Hakan Gördüs Partei SÖZ verspricht eine weitere schrille Etappe zu werden.

Martha Bißmann kann auf eine politische Karriere von drei so ereignisreichen wie wechselhaften Jahren zurückblicken. Was sich quer durch ihr politisches Wirken zieht ist die Unabhängigkeit. Martha Bißmann wurde 1980 als das achte von neun Kindern in Graz geboren, wo sie aufwuchs und zur Schule ging. Schon mit 16 Jahren zog sie von zu Hause aus und verdiente ihr eigenes Geld, wie sie erzählt.

Bißmanns Interesse für Politik erwachte laut eigener Aussage bei einem Vortrag des Zukunftsforschers und ehemaligen grünen Präsidentschaftskandidaten Robert Jungk auf der Grazer Universität im Jahr 1994. Sie engagierte sich nicht direkt bei den Grünen, deren Themen begleiteten sie aber weiterhin. Nach dem Abschluss des Realgymnasiums im Jahr 2000 studierte sie von 2001 bis 2006 Energie- und Umweltmanagement an der FH Burgenland und schloss mit dem Titel einer Diplom-Ingenieurin (FH) ab. Anschließend arbeitete sie als EU-Projektleiterin für Erneuerbare Energie.

Von Griss-Wahlkampfmanagerin zur Abgeordneten

Erstmals selbst ins politische Rampenlicht trat Martha Bißmann im Jahr 2017 als Nationalratskandidatin der Liste Pilz. Ihr politisches Schaffen begann aber bereits rund ein Jahr zuvor - und zwar als Wahlkampfmanagerin für die unabhängige Bundespräsidentschaftskandidatin Irmgard Griss. Diese lag im ersten Wahlgang nur knappe drei Prozent hinter dem Zweitplatzierten Alexander Van der Bellen. Während es Griss zu den NEOS zog, schloss sich Bißmann der Liste Pilz an.

Mit Peter Pilz' Grünen-Abspaltung schaffte Bißmann 2017 dann den Einzug ins Parlament - allerdings nur, weil Listengründer Pilz zunächst auf seinen Sitz verzichtete. Als dieser dann im darauffolgenden Jahr sein Mandat doch antreten wollte und Bißmann zum Verzicht drängte, rebellierte die damals 38-Jährige. Bißmann wurde vom Parlamentsklub und der Partei ausgeschlossen und saß fortan als "wilde Abgeordnete" im Nationalrat.

Schillernde Auftritte als "wilde Abgeordnete"

Dort erregte sie vor allem mit schillernden und teils schrulligen Auftritten im Nationalrat - etwa mit Kopftuch oder Handpuppe - sowie im Fernsehen bei der ORF-Late Night Show "Willkommen Österreich" immer wieder Aufmerksamkeit. Inhaltlich und politisch konnte sie keine Akzente setzen.

Mit den Neuwahlen in Folge des Ibiza-Skandals flog Bißmann aus dem Nationalrat und es wurde zunächst still um die Grazerin. Im Jänner 2020 meldete sie sich zurück, diesmal als unabhängige Spitzenkandidatin der Partei SÖZ ("Soziales Österreich der Zukunft") für die Wien-Wahl. Dort wolle sie sich für ihre Kernthemen gesellschaftliche Solidarität und Umwelt einsetzen, so Bißmann.

Nähe zu türkischen Nationalisten

Bißmanns SÖZ-Engagement sorgte durchaus für Überraschung. SÖZ-Parteichef Hakan Gördü war bis 2016 Vizechef der UETD ("Union Europäisch-Türkischer Demokraten"), einer Organisation, die der AKP des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nahesteht. Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei organisaierte die UETD Aufmärsche in Wien, bei denen es zu Ausschreitungen gegen kurdische Lokale unter "Allahu Akbar"-Rufen kam.

Vor der SÖZ war Gördü Mitglied der Migrantenliste GFW ("Gemeinsam für Wien"), deren Personal ebenfalls starke UETD-Schlagseite hatte, und bei der Wien-Wahl 2015 nicht in den Gemeinderat einziehen konnte. SÖZ will nicht nur auf Migrantenthemen sondern auch linke Themen setzen.

SÖZ-Parteichef Hakan Gördü im Talk mit PULS 24 Infochefin Corinna Milborn

Die Nähe des SÖZ zu türkischen Nationalisten scheint dabei aber immer wieder durch, etwa nach den Attacken auf Kundgebungen linker und kurdischer Organisationen in Wien-Favoriten. Auch hier tat sich Bißmann hervor, indem sie auf Twitter einseitig gegen vermeintliche PKK-Sympathisanten unter den Angegriffenen schimpfte.

Ob Bißmann mit SÖZ wirklich den Einzug in den Gemeinderat schafft, scheint derzeit eher unwahrscheinlich. Wo es die ewig Unabhängige dann politisch hintreibt, wird sich zeigen.

Quelle: Redaktion / hos