APA - Austria Presse Agentur

MA-25-Mitarbeiter packt aus: Telefone werden immer ignoriert

17. Aug 2021 · Lesedauer 2 min

Ein Mitarbeiter der MA 25, des Wiener Einwanderungsamtes, schilderte anonym, wie es im Amt zugeht. Vizebürgermeister Wiederkehr sprach dazu von "großen Herausforderungen".

Arbeitsbewilligungen, Sozialleistungen wie Kindergeld oder Familienbeihilfe oder Reiseerlaubnis: All das hängt vom Visum ab, das man in Wien bei der MA 25 bekommt. Aber Telefone werden nicht abgehoben, außer man sehe an der Nummer, dass es sich um einen internen Anschluss oder einen Vorgesetzten handelt, beschrieb ein Mitarbeiter der Behörde im "Ö1-Morgenjournal" die Situation. Antragsteller verpassen Fristen und warten teils monatelang auf ihr Geld.

"Dominoeffekt"

Würde man Anrufe entgegennehmen, würde sich ein "Dominoeffekt" entwickeln, so der MA35-Mitarbeiter. Wenn einmal abgehoben werde, spreche sich das schnell herum, am nächsten Tag sei dann "das Amt voll". Auf Schriftstücken der MA 25 ist allerdings extra vermerkt, dass man sich ab 13 Uhr telefonisch melden könne. 

Auch die Posteingänge seien übervoll, man käme mit der Bearbeitung nicht nach und übersehe immer wieder Fristen. "Da kann es schon passieren, dass man mit einem Postfach aufwacht, das bis zu 450 neue E-Mails hat." Würde man Überstunden machen und fleißig sein, könne man 120 abarbeiten, so der Mitarbeiter. 

"Personalkarussell" und Burn-Out

Die Situation im Amt sei auch für Mitarbeiter extrem schwierig. Die Abteilung sei ein "Personalkarussell" mit hoher Drop-out-Rate und Burn-Out bei den Angestellten. "Die Leute kommen oft mit dem Kundenkontakt, mit den Emotionen, die in diesen Unterhaltungen mitschwingen und dem Stress nicht zurecht."

400 Beschwerden liegen dazu der Volksanwaltschaft vor, Anträge werden bis zu zwei Jahre nicht bearbeitet. 

Wiederkehr: Mehr Mitarbeiter geplant

Im "Ö1 Mittagsjournal" nimmt der dafür zuständige Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (NEOS) zu den Vorwürfen Stellung: "Es gibt sehr, sehr große Herausforderungen" und über 150.000 Verfahren in diesem Bereich pro Jahr. Corona hätte die Lage verschärft, weil kein direkter Kundenkontakt möglich sei. Man hätte sich entschlossen das Personal zu unterstützen und habe 25 zusätzliche Personen aufgenommen, 25 weitere sollen noch kommen. Ein telefonisches Servicecenter sei geplant, eine Frist bis wann es in Betrieb gehen soll, nennt der Vizebürgermeister nicht. Belastung der Mitarbeiter und Frustration der Antragsteller seien ihm bewusst.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam