APA/DPA/Philipp von Ditfurth

Lehrermangel führt zu immer mehr Überstunden

05. Jan. 2023 · Lesedauer 2 min

Die Lehrerinnen und Lehrer an den österreichischen Schulen haben 2021/22 insgesamt mehr als 6,1 Millionen bezahlte Überstunden geleistet.

Das entspricht einem deutlichen Anstieg gegenüber den Jahren davor, in denen jeweils etwas mehr als fünf Millionen Überstunden anfielen, zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der NEOS durch Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP). Insgesamt wurden dafür rund 350 Millionen Euro ausbezahlt (Vorjahr: 310 Mio. Euro).

Die Lehrkräfte an den Pflichtschulen (v.a. Volksschulen, Mittelschulen, Berufsschulen) kamen demnach auf knapp 3,3 Millionen Überstunden, jene an den Bundesschulen (v.a. AHS, BMHS) auf rund 2,8 Millionen. Damit sind die Überstunden an den Pflichtschulen deutlich angestiegen (Vorjahr: 2,5 Millionen), während sie im Bundesschulbereich sogar leicht rückgängig sind (Vorjahr: 2,9 Millionen).

Unentgeltliche Supplierungen nicht enthalten

Die Überstunden umfassen dabei sowohl Dauer- als auch Einzelmehrdienstleistungen (Supplierungen). Supplierungen fallen vor allem an, wenn ein anderer Lehrer kurzfristig ausfällt. Dauer-Mehrdienstleistungen werden etwa dann geleistet, wenn an der Schule dauerhaft sonst nicht ausreichend Fachlehrer zu finden sind. Nicht in den Zahlen enthalten sind unentgeltliche Supplierungen, die die Lehrer laut Dienstrecht in einem bestimmten Ausmaß leisten müssen.

Das Bildungsministerium begründet die starke Zunahme der Überstunden einerseits mit dem Lehrermangel. Außerdem habe es zusätzliche Förderstunden aufgrund der Corona-Pandemie gegeben.

NEOS: Werbekampagnen reichen nicht

Für die NEOS zeigt der deutliche Anstieg im Pflichtschulbereich, wie dramatisch der Lehrermangel dort sei. "Wir müssen dafür Sorge tragen, dass jene engagierten Lehrkräfte, die das Schulsystem am Laufen halten, nicht ausbrennen, sondern für ihr Engagement belohnt werden. Und zwar einerseits mit mehr Unterstützung, andererseits auch mit Aufstiegsmöglichkeiten, wie es sie in englischsprachigen Ländern in den Schulen bereits gibt", so Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre zur APA.

Werbekampagnen würden nicht ausreichen. Es brauche auch einen Bürokratieabbau durch echte Schulautonomie, mehr Investitionen in die Chancengerechtigkeit und bessere Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz Schule. Außerdem werde auch für die Volksschulen ein Quereinstiegs-Modell nötig sein.

Genauer als in den vergangenen Jahren haben die Länder 2021/22 die Stellenpläne an den Pflichtschulen eingehalten. Insgesamt wurden die rund 63.800 Planstellen aber noch immer um rund 1.100 Posten überzogen. Das ist weniger als in den Jahren davor, als es bis zu 2.000 Stellen waren. Insgesamt fielen durch den Überzug Kosten von 74 Mio. Euro an - davon trugen die Länder rund zwei Drittel selbst, ein Drittel der Zusatzkosten übernahm der Bund.

Quelle: Agenturen