Kurz will bei Impfstoffproduktion mit Israel kooperieren

02. März 2021 · Lesedauer 3 min

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat vor seiner Israel-Reise eine Kursänderung bei der Corona-Strategie angekündigt.

Österreich, Dänemark, und die Mitglieder der sogenannten "First Mover-Gruppe" würden sich "in Zukunft nicht mehr auf die EU verlassen und gemeinsam mit Israel in den kommenden Jahren Impfdosen der zweiten Generation für weitere Mutationen des Coronavirus produzieren sowie gemeinsam an Behandlungsmöglichkeiten forschen", kündigte Kurz im Vorfeld der Reise an.

Kurz: EMA zu langsam

"Der Bedarf alleine für Österreich wird auf rund 30 Millionen Impfdosen geschätzt", so Kurz in einem der APA übermittelten Statement weiter. Im Vorfeld der Israel-Reise trifft der Bundeskanzler am Dienstag mit Vertretern führender heimischer Pharmaunternehmen zusammen. Kurz erklärte, der Zugang über die EU "war zwar grundsätzlich richtig, die EMA (Europäische Arzneimittelagentur, Anm.) ist aber zu langsam bei den Zulassungen für Impfstoffe und es kommt zu Lieferengpässen von Pharmaunternehmen. Wir müssen uns daher auf weitere Mutationen vorbereiten und sollten nicht mehr nur von der EU abhängig sein bei der Produktion von Impfungen der zweiten Generation." Experten zufolge müssten auch in den kommenden Jahren jeweils zwei Drittel der Bevölkerung, also über sechs Millionen Menschen in Österreich, jährlich geimpft werden.

Rund die Hälfte von Israel hat erste Impfdosis

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte laut Reuters am Montag, er werde mit Kurz und der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen "eine Zusammenarbeit zur Impfstoffproduktion" besprechen. Israel begann mit der Corona-Impfung bereits am 19. Dezember 2020. Mittlerweile ist rund die Hälfte der Israelis mindestens einmal geimpft.

Aufbau von Impfstoff-Produktionsstätte dauert normalerweise fünf bis zehn Jahre

Die Präsidentin des österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller, Renee Gallo-Daniel, bezeichnete den Vorstoß von Kurz als "sehr, sehr innovativ". Im Ö1-Journal erklärte sie am Dienstag, dass es wichtig sei, lokal eine Impfstoffproduktion zu haben. "Prinzipiell wird es wahrscheinlich nicht so schnell gehen, weil normalerweise dauert eine Produktionsstättenerrichtung fünf bis zehn Jahre. Wenn ich eine bestehende Produktionsstätte habe, die ich umrüsten muss, brauche ich auch einige Monate bis zu einem Jahr." Es sei aber sinnvoll, "längerfristig zu denken" und für künftige Pandemien gerüstet zu sein.

SPÖ ortet Ablenkungsmanöver von Österreichs Impf-Chaos 

Die SPÖ kritisierte die Ankündigung von Kurz. "Kanzler Kurz hat weder dafür gesorgt, dass Österreich genug Impfstoff hat, noch, dass der vorhandene auch rasch verimpft wird", erklärte SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher laut Aussendung. So gebe es in Österreich offenbar 170.000 Impfdosen, "die herumliegen, anstatt verimpft zu werden". Dieses "Impf-Chaos" könne "der Kanzler nicht mehr schönreden", so Kucher. "Während sich die Versprechen von Kurz in Österreich in Luft auflösen, flüchtet er zunehmend ins Ausland und versucht sein ramponiertes Image in deutschen Medien und Fotoreisen nach Israel aufzupolieren", so Kucher. Der SPÖ-Delegationsleiter im EU-Parlament, Andreas Schieder, bezeichnete Kurz' Israel-Reise als "billiges Ablenkungsmanöver vom heimischen Impfversagen". Schieder: "Bei aller Kritik am EU-Impfprogramm, ein gemeinsames Vorgehen ist der richtige Weg. Die EU kann die Coronakrise nur so effektiv bekämpfen, wie es die Mitgliedstaaten zulassen."

Am Montag wurde bekannt, dass das Angebot Israels schon einmal zu Debatte stand. Mehr dazu: 

Quelle: Agenturen