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Kundgebung zu vier Jahren Ukraine-Krieg vor dem Parlament

Heute, 21:48 · Lesedauer 4 min

Hunderte Menschen haben am Dienstagabend vor dem Parlament in Wien des vierten Jahrestags des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine gedacht. Unter den Teilnehmern des "Marsches des Lichts" waren auch Abgeordnete von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grüne sowie Diplomaten. Die gegenüberliegende Präsidentschaftskanzlei erstrahlte in den ukrainischen Farben Gelb-Blau.

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Kundgebung hielten ukrainische Flaggen ebenso wie Fahnen anderer europäischer Staaten in die Höhe. Sie leuchteten mit ihren Handylampen. Und sie trugen Transparente wie "Ukrainische Soldaten verteidigen deine Ruhe" und "Arm Ukraine and sleep well" (Bewaffnet die Ukraine und schlaft gut). Zahlreiche Redner zollten der Ukraine Respekt für ihren Abwehrkampf und betonten, dass das Land auch für Europa kämpfe.

Ex-Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) etwa hob hervor, dass für viele Österreicher unvorstellbar sei, welches Leid sich in der Ukraine zutrage, und mit wie viel Mut, Kraft und Widerstandsgeist hier dagegengehalten werde. Wenn der russische Präsident Wladimir "Putin keinen Widerstand spürt, wird er weitermachen. Und die Ukraine hat jedes Recht, sich zu verteidigen, aber wir haben auch jede Pflicht in Europa, ja auch im neutralen Österreich, die Ukraine genau aus diesem Grund zu unterstützen", betonte Kogler. "Militärisch neutral heißt nicht, wegzusehen oder neutral zu sein gegenüber einem Terrorstaat, gegenüber Massenmördern und Kinderverschleppern."

Die SPÖ-Abgeordnete und Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, Petra Bayr, verwies auf die Tausenden von Toten, zerbombten Häusern und die Angriffswellen auf zivile Infrastruktur: Klar sei, dass der "Auslöser für diese Aggression Name und Adresse hat und im Kreml sitzt und dass wir alle miteinander, gerade auch im Europarat, und in Österreich, dafür sorgen werden, dass all diese Aggression nicht ungestraft passiert." Im Schadensregister seien bereits 80.000 Kriegsschäden in der Ukraine registriert.

"Der Krieg in der Ukraine, diese vier Jahre stehen für Terror, für Folter, für Mord, für das Verschleppen von über 20.000 Kindern", sagte ÖVP-Abgeordneter Andreas Minnich. Sein Parteikollege Wolfgang Gerstl (ÖVP) betonte, viele Menschen außerhalb der Ukraine "wissen auch heute noch nicht, was es heißt, für Freiheit zu kämpfen, sich nicht unterkriegen zu lassen, für Menschenrechte zu stehen, was es heißt, einfach alle Rechte für sich zu haben, zu entscheiden, wo ich wohne, wo ich lebe, wo ich arbeite, und sich nicht vertreiben zu lassen, sich nicht entführen zu lassen". Nicht nur die Ukrainer, auch die Österreicher müssten für diese Werte kämpfen.

"EU steht felsenfest an der Seite der Ukraine"

"In der Ukraine werden unsere Freiheit, unsere Werte, unser Frieden verteidigt für ganz Europa", erklärte auch der Vertreter der EU-Kommission in Österreich, Patrick Lobis. Er betonte: "Die Europäische Union steht felsenfest an der Seite der Ukraine". Lobis sagte Kiew auch weiterhin finanzielle, wirtschaftliche, diplomatische und militärische Hilfe der EU zu. Der ukrainische Botschafter Wassyl Chymynez sagte: "Wir sind dankbar, dass wir heute nicht alleine sind. Dass die Solidarität mit der Ukraine weiter lebendig ist."

Der NEOS-Abgeordnete Dominik Oberhofer erinnerte an ein Zitat von Winston Churchill: "Knapp vor der Dämmerung ist die Nacht am dunkelsten." Dieses Zitat solle in diesen dunklen Stunden in der Ukraine, in Moldawien, in Georgien gehört werden. "Wir sind knapp vor der Dämmerung, ich verspreche Ihnen, wir werden sehen, dass Georgien, dass die Ukraine, dass Moldawien Teil Europas wird."

Unter die meist ukrainischen Kundgebungsteilnehmer mischten sich auch Vertreter der iranischen Gemeinschaft. Die Konflikte im Iran und der Krieg in der Ukraine seien stark miteinander verbunden. "Jeder Ukrainer will, dass die Menschen im Iran Freiheit bekommen und keine einzige Shahed-Drohne mehr Richtung Ukraine fliegt", sagte Andrij Karioty vom Verein "Mrija" (Ukrainisch für "Traum", Anm.), der die Kundgebung organisiert hatte. Der Verein sammelte unterdessen Geld für Generatoren für ein Krankenhaus in der ukrainischen Stadt Nikopol.

Zusammenfassung
  • Der Vertreter der EU-Kommission sagte der Ukraine weitere finanzielle, wirtschaftliche, diplomatische und militärische Hilfe zu, während der Verein „Mrija“ Spenden für ein Krankenhaus in Nikopol sammelte.