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Kuleba: "Niemand Zuschauer" im Krieg

20. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat bei einer Konferenz in Wien dazu aufgerufen, sich zum Kampf seines Landes gegen die russische Aggression zu bekennen.

"Niemand hier ist Zuschauer", sagte er am Freitag in einer Videobotschaft für den "Time to decide Europe summit" von Erste Stiftung und dem Institut für die Wissenschaft vom Menschen (IWM). Der Krieg sei eine Folge dessen, dass man Warnungen Kiews abgetan habe. "Bitte beginnt, der Ukraine zuzuhören", mahnte er.

"Russland will Krieg, keinen Dialog"

Knapp drei Monate nach Beginn des Krieges sprach Kuleba von einem "ukrainischen Wunder", mit dem die Blitzkrieg-Pläne des russischen Machthabers Wladimir Putin durchkreuzt werden konnten. Die Absichten Russlands seien "viel schlimmer gewesen als sich das irgendjemand hätte vorstellen können", sagte er mit Blick auf die von den Invasoren verübten Kriegsverbrechen.

"Wir haben keine andere Wahl als zu kämpfen und am Ende zu siegen. Russland will Krieg, keinen Dialog", betonte Kuleba, der sein Land in einem Kampf "David gegen Goliath" sieht.

Europäische Unterstützung

Wenn Putin in der Ukraine erfolgreich sei, "wird er weitergehen", warnte Kuleba. Daher müssten die Europäer "schwierige Entscheidungen" treffen. Die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine, weitere Sanktionen gegen Russland sowie der EU-Kandidatenstatus für die Ukraine "sind die drei kürzesten Wege zum Frieden", versicherte er.

Krieg ist ein Moment der Wahrheit, ein Moment, in dem weiß weiß ist und schwarz schwarz", betonte Kuleba. Im aktuellen Krieg gehe es um nichts weniger als um die Frage, wie die künftige Weltordnung aussehen werde, und ob sie auf dem Völkerrecht oder auf dem Faustrecht beruhen werde. "Die Ukraine befindet sich im Zentrum des weltweiten Kampfes für Freiheit", unterstrich der ukrainische Außenminister.

Estland: Weitere Sanktionen notwendig

Die estnische Ministerpräsidentin Kaja Kallas warnte in einer weiteren Grußbotschaft davor, einem "schlechten Frieden" in der Ukraine zuzustimmen. "Ein schlecht verhandelter Frieden für die Ukraine wäre auch ein schlechter Frieden für uns", sagte sie. Vielmehr müsse dafür gesorgt werden, dass eine ähnliche russische Aggression in der Ukraine oder anderen Ländern ausgeschlossen ist.

Dafür brauche es weitere Sanktionen, eine weitere Isolation Ruent, in dem weiß weiß ist und schwarz schwarz", betonte Kuleba. Im aktuellen Krieg gehe es um nichts weniger als um die Frage, wie die künftige Weltordnung aussehen werde, und ob sie auf dem Völkerresslands und eine Ahndung der russischen Kriegsverbrechen, forderte die liberale Politikerin.

"Wir dürfen nicht in Kriegsmüdigkeit verfallen", betonte sie. Mit Blick auf die innereuropäischen Diskussionen über den Umgang mit dem Aggressor plädierte sie dafür, auch auf jene Stimmen zu hören, "die an der Frontlinie liegen" oder schon Erfahrungen mit russischen Überfällen haben.

VdB: "Humanitäre Krise von unermesslicher Größe"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen vermied in seiner Grußbotschaft eine entsprechende Positionierung. Er bezeichnete den Ukraine-Krieg als "humanitäre Krise von unermesslicher Größe", betonte aber zugleich, dass es darüber hinaus noch weitere Herausforderungen wie den Klimawandel, die Umweltverschmutzung oder die Knappheit von Ressourcen gebe. Die europäische Zusammenarbeit sei daher wichtiger denn je, so Van der Bellen.

Experten und Ex-Politiker aus ganz Europa diskutieren bei der eintägigen Konferenz über den Ukraine-Krieg und seine Folgen. IWM-Forscher Ivan Vejvoda sprach zum Auftakt der Konferenz von einer "Weggabelung", an der sich Europa befinde. "Das Schicksal der Ukraine ist heute unser Schicksal. Staaten müssen sich zwischen Krieg und Frieden entscheiden und auf eine Seite stellen", betonte er.

Unter den Teilnehmern war etwa der frühere mazedonische Vizepremier und Außenminister Nikola Dimitrow, der Migrationsexperte Gerald Knaus, der Soziologe Ivan Krastev oder der Enthüllungsjournalist Christo Grozev.

Quelle: Agenturen