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Kritik an Habsburg reißt nicht ab

Heute, 15:33 · Lesedauer 3 min

Kaiserenkel Karl Habsburg hat sich für seine Kritik an der FPÖ einen Rüffel des ihm nahestehenden Andreas-Hofer-Bundes eingehandelt. "Es ist ein Novum in der über 100-jährigen Geschichte des AHBT, dass öffentliche Kritik an einem Mitglied des österreichischen Kaiser- und Tiroler Fürstenhauses geäußert wird", teilte Vereins-Obmann Alois Wechselberger am Dienstag in einer Aussendung mit. "Umso größer ist die Irritation" über die jüngsten Aussagen "von Karl von Österreich".

"Unabhängig davon, wie man zur FPÖ stehen mag, erscheint es ungeschickt, dass sich gerade ein Mitglied des Hauses Habsburg öffentlich parteipolitisch positioniert und eine demokratisch gewählte Partei angreift", so Wechselberger. Er bot seinen Verein als Vermittler an, brach aber zugleich inhaltlich eine Lanze für die FPÖ. Was Südtirol und die österreichischen Volksgruppen betreffe, setze sich diese besonders "klar und konsequent für deren Interessen" ein. "Vaterlandsliebe, EU-Kritik sowie die neutrale Haltung der FPÖ im Ukraine-Konflikt sind weder mit Nationalismus noch mit Europafeindlichkeit oder einer Nähe zu Russland gleichzusetzen", betonte Wechselberger.

Der frühere ÖVP-Europaabgeordnete Habsburg hatte die EU-Fraktion der Patrioten, der auch die FPÖ angehört, am Sonntag in seiner Rede zur Zukunft Europas als "fünfte Kolonne Moskaus" bezeichnet. Daraufhin legte der frühere Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) seine Mitgliedschaft im St.-Georgs-Orden der Familie Habsburg nieder, während mehrere FPÖ-Politiker wie der EU-Delegationsleiter Harald Vilimsky oder der Wiener Landtagsabgeordnete Leo Lugner scharfe Kritik am Großmeister des Ordens übten. Habsburg "liegt so was von falsch", betonte auch Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ). Der frühere Präsidentschaftskandidat fügte hinzu, dass Habsburg keine politische Rolle mehr spiele und ein "Privatmann" sei.

Aus Protest gegen Habsburgs Aussagen zog sich auch die frühere Europaabgeordnete und Ex-Stadträtin Ursula Stenzel (ÖVP/FPÖ) aus dem Orden zurück. Sie gehörte ihm als "Ehrendame" an. Sie lege ihre Mitgliedschaft "mit Bedauern" zurück, schrieb Stenzel am Montag auf X. "Aber ich will mich noch in den Spiegel schauen können." In der Vergangenheit waren mehrere FPÖ-Politiker in den Orden aufgenommen worden.

"Wer aussteigen will, kann jederzeit aussteigen"

Von einem Mitglied des Ordens hieß es am Dienstag gegenüber der APA, dieser sei "völlig überparteilich" und umfasse auch zahlreiche Personen, "die ihre Karriere ohne jegliches Parteibuch gemacht" hätten. Außerdem habe er mit seiner karitativen Arbeit eine "enorme Anziehungskraft" und "Mitglieder aus ganz Europa", betonte das Mitglied, das nicht namentlich zitiert werden wollte. Es lobte die "pointierte Rede" Habsburgs und sagte in Richtung von FPÖ-Politikern: "Wer aussteigen will, kann jederzeit aussteigen." Das in einem bestimmten Zeitabschnitt insbesondere FPÖ-Politiker eingeladen worden seien, habe mit der damaligen Ordensführung zu tun, die aber "nicht mehr am Werk ist".

Zusammenfassung
  • Karl Habsburg hat die FPÖ in einer Rede am Sonntag als "fünfte Kolonne Moskaus" bezeichnet und damit eine Welle der Kritik ausgelöst.
  • Der Andreas-Hofer-Bund, vertreten durch Obmann Alois Wechselberger, rügte Habsburgs öffentliche Parteinahme und betonte, dass dies in der über 100-jährigen Geschichte des Vereins ein Novum sei.
  • Mehrere FPÖ-Politiker, darunter Norbert Hofer und Ursula Stenzel, legten aus Protest gegen Habsburgs Aussagen ihre Mitgliedschaft im St.-Georgs-Orden der Familie Habsburg nieder.