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Kinderbetreuung, Karenz und Pflege vor Frauentag im Fokus

07. März 2022 · Lesedauer 4 min

Bis Männer und Frauen gleichgestellt sind, ist noch viel zu tun - darauf haben Parteien und Institutionen vor dem morgigen Frauentag aufmerksam gemacht. Häufige Forderung - unter anderem von NEOS, Grünen, der Gewerkschaft GPA und der Wirtschaftskammer - war ein Ausbau der Kinderbetreuung, um Müttern das Arbeiten zu ermöglichen. Studien zeigen indes, dass die Pandemie Frauen stark belastete.

Die NEOS plädierten für eine Reform der Karenz - Frauensprecherin Henrike Brandstötter will "einen grundlegenden Paradigmenwechsel, eine Normalisierung von Väterkarenzen, mehr Flexibilität, wer wann in Karenz geht, und auch die Möglichkeit, Karenzzeiten gleichzeitig zu nutzen" - sowie einen verbindlichen Stufenplan zum Ausbau der Kinderbetreuung hin zu einem Rechtsanspruch ab dem ersten Geburtstag. Für einen Rechtsanspruch sprach sich auch die Grüne Frauensprecherin Meri Disoski aus, und auch WKÖ-Vizepräsidentin Martha Schultz und Sandra Steiner, Frauenvorsitzende der Gewerkschaft GPA, forderten den Ausbau der Kinderbetreuung.

Dass Job und Familie nicht immer vereinbar sind, zeigt sich beim Thema Corona und Arbeitsmarkt: Immer wieder schließende Schulen und Kindergärten sowie fehlende Kinderbetreuungsangebote sind für Arbeiterkammer-Wien-Expertin Silvia Hofbauer ein Grund, warum Frauen während der Pandemie vom Arbeitsmarkt verdrängt wurden, wieder in alte Geschlechterrollen zurückfielen und viel unbezahlte Arbeit verrichteten - eine Konsequenz, die auch heute noch spürbar ist, denn vielen fällt der Wiedereinstieg schwer. Dass sie sich belastet fühlten, bestätigten Mädchen, junge Frauen und Mütter in einer Wiener Studie. Trotz Vollzeit-Beschäftigung gaben Frauen an, oft unbezahlte Arbeit wie Kinderbetreuung, Hausarbeit und Pflege zu übernehmen.

Dass Corona die Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt zu einer noch größeren Herausforderung gemacht hat, resümierte auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, deren internationaler "Women in Work Index" Österreich weiter auf Platz 24 der 33 OECD-Länder sieht. Auf den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen hat die Pandemie laut einer aktuellen Wifo-Studie dennoch kaum Einfluss gehabt - er sank 2021 auf 12,1 Prozent und war damit niedriger als in den Jahren zuvor.

Allerdings sind Frauen in Wissenschaft und Forschung nach wie vor unterrepräsentiert - das zeigt der aktuelle Forschungs- und Technologiebericht 2021, der die Entwicklung der Gleichstellung bei den zentralen Forschungs- und Forschungsförderungseinrichtungen Österreichs abbildet. So verschlechterten sich etwa die Ergebnisse des Austrian Institute of Technology, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Anders sieht es im Bundesheer aus: 3.000 der insgesamt 22.000 Bediensteten sind mittlerweile weiblich, jede Fünfte von ihnen ist Soldatin.

Die Grünen forderten angesichts der Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt eine Aufwertung systemrelevanter Berufe, aber auch eine allgemeine Arbeitszeitreduktion. Arbeit und eine gerechte Entlohnung stehen auch für die SPÖ im Fokus. Die Sozialdemokraten stellen fünf Forderungen: Die volle Transparenz bei Löhnen und Vermögen, ein Schwerpunkt auf Gesundheitsvorsorge und Gender Medizin sowie ein Arbeitsmarktpaket mit Ausbau von Frauenarbeitsstiftungen, Weiterbildung mit 1.700 Euro Mindestlohn und die Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent. Die SPÖ-Frauen sprachen sich für eine verpflichtende Väterkarenz und Unterhaltsgarantie aus.

Auch für die FPÖ steht Arbeit im Mittelpunkt: Frauensprecherin Rosa Ecker forderte von Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) mehr Bemühungen für gleichen Lohn für gleiche Arbeit sowie die Aufwertung typischer Frauenberufe. Sie will außerdem rasch einen Ausgleich für die "weitere Armutsfalle" - die hohen Inflation und die steigenden Energiekosten. Verstärkt brauche es auch Maßnahmen gegen die laut Ecker oft "importierte Gewalt".

Ecker pochte auch auf die Umsetzung der Pflegereform. Diese stand für die ÖVP - die sie als "Top-Thema" für 2022 bezeichnete - ebenfalls im Mittelpunkt, denn Pflegende sind mehrheitlich weiblich. ÖVP-Frauenchefin Juliane Bogner-Strauß sprach von einem Fokus auf Ausbildung von Pflegekräften und Unterstützung für pflegende Angehörige als Schwerpunkte, Senioren-Präsidentin Ingrid Korosec und Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm sprachen sich für die Pflegelehre aus.

Bei den Pensionen gibt es nach wie vor eine Lücke zwischen Männern und Frauen, diese entsteht vor allem in den letzten Jahren. Sind Frauen in der Altersgruppe von 30 bis 34 Jahren noch bei einem Wert von 89 Prozent des männlichen Pensionskontostands, fällt dieser Wert im Alter zwischen 55 und 59 auf knapp 70 Prozent. Bei den Alterspensionen gesamt erreichen Frauen 63,1 Prozent der Männerpensionen. Um Altersarmut bei Frauen zu verhindern, sprachen sich die ÖGB-Frauen und der Katholische Familienverband für eine stufenweise Anrechnung der Kindererziehungszeiten bis zum achten Lebensjahr, zusätzlich zum Erwerbseinkommen, aus.

Dass viele Frauen mit dem Thema Armut schon vor dem hohen Alter kämpfen müssen, will die Diakonie verhindern. "Sozialleistungen wertanpassen, Sozialhilfe reformieren, soziale Dienstleistungen bei Pflege und Kindern ausbauen, in sozialen Wohnbau investieren", so der Vier-Punkte-Plan von Diakonie-Direktorin Maria Moser.

Quelle: Agenturen