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Kein Visum von Österreich: Afghanische Forscherin nun von Deutschland aufgenommen

Der afghanischen Astronomin und Frauenrechtsaktivistin Amena Karimyan wurde von Österreich Hilfe zugesagt, sie konnte nach Pakistan fliehen, ein Visum bekam sie von Österreich dann aber nicht. Nun springt Deutschland ein.

Seit die Taliban in Afghanistan die Macht übernahmen geht es mit den Frauenrechten rapide bergab. Vor allem Frauen an Universitäten sind ein erklärtes Feindbild der Islamisten. Lehrende an der Universität Graz wollten helfen - besonders um ihre Kollegin, die Astronomin und Frauenrechtsaktivistin Amena Karimyan hatten sie Angst. 

Eine Initiative von Forschern der Universität Graz, der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und des Grazer Kulturzentrums Forum Stadtpark stellte zunächst eine dreimonatige Forschungsreise für die junge Wissenschaftlerin zusammen, wie der "Kurier" berichtete. Die Forscherin sollte in Österreich Vorträge halten und damit der Gefahr in Afghanistan entkommen. Scheinbar war auch die österreichische Regierung anfangs von der Aktion überzeugt: Man stellte einen Schutzbrief aus, mit welchem es die Afghanin nach Pakistan schaffte.

Prominente Unterstützung, aber keine Hilfe

Dort suchte Karimyan die österreichische Botschaft auf, um ein Visum zu beantragen - es wurde aber abgelehnt. Die Voraussetzungen für die Erteilung des Visums seien nicht gegeben gewesen, insbesondere sei die Heimreise Karimyans nicht garantiert, teilte das Außenministerium dem "Kurier" im November mit. Die Forscherin könne ja um die Einreise aus humanitären Gründen ansuchen, hieß es weiter. 

Vier Monate saß die 25-jährige Forscherin letztendlich in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad fest - ohne Geld, wie nun die Menschrechtsorganisation "SOS Mitmensch" berichtet. Die Grazer Wandzeitung "ausreißer" organisierte Hilfe, so konnte ein Hotelzimmer organisiert werden. "SOS Mitmensch" organisierte eine Unterschriftenaktion mit einem Appell an das Außenministerium, die laut eigenen Angaben von 7.500 Menschen unterzeichnet wurde. Auch Prominente wie Elfriede Jelinek, Ursula Strauss, Cornelius Obonya und Erika Pluhar setzten sich für die Aufnahme der Forscherin ein. Österreich blieb aber bei seinem harten Kurs. 

Deutschland sprang ein

Nicht so Deutschland: Wie "SOS Mitmensch" am Montag berichtet, habe die Forscherin nun ein Visum von Deutschland erhalten. "Das deutsche Außenamt sei auf den von immer mehr Medien aufgegriffenen Fall aufmerksam geworden und habe der 25-jährigen Astronomin binnen weniger Tage ein Visum ausgestellt und sie dann sofort nach Deutschland geflogen", heißt es in der Aussendung der Organisation.

"Anstatt stolz darauf zu sein, einer akut bedrohten Forscherin und Frauenrechtsaktivistin die Einreise ermöglichen zu können, hat ihr das offizielle Österreich die Türe vor der Nase zugeschlagen. Diese antihumanitäre Politik wider jeder Vernunft und Menschlichkeit ist eine bedrohliche Sackgasse", kritisiert Alexander Pollak von "SOS Mitmensch" in einer Aussendung.

ribbon Zusammenfassung
  • Der afghanischen Astronomin und Frauenrechtsaktivistin Amena Karimyan wurde von Österreich Hilfe zugesagt, sie konnte nach Pakistan fliehen.
  • Österreich lehnt ihren Antrag auf ein Visum aber ab.
  • Die Voraussetzungen für die Erteilung des Visums seien nicht gegeben gewesen, insbesondere sei die Heimreise Karimyans nicht garantiert, teilte das Außenministerium dem "Kurier" im November mit.
  • Vier Monate saß die 25-jährige Forscherin letztendlich in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad fest - ohne Geld, wie nun die Menschrechtsorganisation "SOS Mitmensch" berichtet.
  • Auch Prominente wie Elfriede Jelinek, Ursula Strauss, Cornelius Obonya und Erika Pluhar setzten sich für die Aufnahme der Forscherin ein. Österreich blieb aber bei seinem harten Kurs. 
  • Nicht so Deutschland: Wie "SOS Mitmensch" am Montag berichtet, habe die Forscherin nun ein Visum von Deutschland erhalten. Die Forscherin sei schon nach Deutschland ausgeflogen worden.