Karner: "Taiwan könnte chinesischer Großoffensive nicht lange standhalten"

03. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Im Vergleich zu früheren chinesischen Seemanövern ziehe sich "die Schlinge viel enger um das Territorium der Insel Taiwan", so der PULS 24 Militärexperte Gerald Karner im Newsroom LIVE. Unterdessen nutze Russland Europas größtes Atomkraftwerk Saporischschja als Schutzschild. Aus Sicht des Militärexperten "wird hier ganz eindeutig eine Grenze überschritten".

Nach dem Besuch von US-Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi in Taiwan, reagiert China mit "Drohgebärden". "Wir haben einerseits die verbalen Drohgebärde von Sprecher:innen des offiziellen China und auf der anderen Seite die Drohgebärde in Form von Seemanövern groß angelegter Natur", so der PULS 24 Militärexperte Gerald Karner im Newsroom LIVE.

Auch im Vergleich zu früheren Seemanövern ziehe sich "die Schlinge viel enger um das Territorium der Insel Taiwan". "Die Seemanöver sind wesentlich umfangreicher und umfänglicher und umfassen sicherlich mehrere hundert Schiffe. Das ist schon eine beachtliche Streitmacht", erklärt der Militärexperte.

Taiwan: Überlegungen Eigenstaatlichkeit zu installieren

Lange würde Taiwan einem chinesischen Großangriff nicht standhalten können, so Karner. Aber wie man bereits am Beispiel von Russland und der Ukraine hätte sehen können, würden die offiziellen Zahlen zur Truppenstärke, Verteidigungsausgaben und Kampfjets "nichts über die konkrete Kampfkraft, Kampffähigkeit und Widerstandsfähigkeit" eines Landes aussagen.

Die Krise um China und Taiwan sei deshalb so gefährlich, weil Chinas Präsident Xi Jinping "es sich zum Ziel gesetzt hat, noch während seiner Regierungszeit Taiwan sehr wohl wieder einzugliedern in China". Aber auch in Taiwan gebe es "Bestrebungen Überlegungen anzustellen, eine Eigenstaatlichkeit zu installieren bzw. die Ein-China-Politik nicht mehr weiter zu verfolgen", sagt Karner.

Atomkraftwerk als Schutzschild

Unterdessen nutze Russland Europas größtes Atomkraftwerk Saporischschja als Schutzschild. Die Lage beim Atomkraftwerk ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) "sehr angespannt". "Aus meiner Sicht wird hier ganz klar eine Grenze überschritten. Wir reden hier von einem intakten und im Betrieb stehenden Atomkraftwerk mit all dem spaltbaren Material, dass dort gelagert ist und im Betrieb ist", so der PULS 24 Militärexperte.

Die russischen Streitkräfte könnten von dort aus "relativ ungehindert und sehr gut geschützt die ukrainischen Streitkräfte beschießen", während diese nicht die Möglichkeit haben zurückzuschießen, um kein sensibles oder gefährliches Material im Atomkraftwerk zu treffen. 

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj