APA/APA/AFP/SASCHA SCHUERMANN

Karlspreis für drei Aktivistinnen aus Belarus

25. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hat die neuen Trägerinnen des Internationalen Karlspreises aus Belarus als "mutigste Frauen Europas" gewürdigt. Baerbock lobte am Donnerstag in Aachen den Einsatz der Oppositionspolitikerinnen Swetlana Tichanowskaja, Veronika Zepkalo und Maria Kolesnikowa für Freiheit und Demokratie. Tichanowskaja und Zepkalo, beide im Exil, bekamen bei der Verleihung großen Applaus. Beifall kam auch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Für Kolesnikowa, die in ihrem autoritär regierten Heimatland in Haft sitzt, nahm ihre Schwester Tatjana Chomitsch die Auszeichnung entgegen. Baerbock äußerte sich kritisch zu Einschätzungen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90, nun werde es in ganz Europa eine automatische Entwicklung zu mehr Freiheit und Demokratie geben. Der Glaube, dass auch mit Diktatoren wie Alexander Lukaschenko in Belarus zu einem gewissen Grad Zusammenarbeit möglich sei, habe "uns vielleicht gegenüber dem belarussischen Regime zu zögerlich handeln lassen". Hoffnungen, dass durch Handel allein bereits Wandel entstehe, hätten sich als Illusion erwiesen. "Das war falsch", so die Grünen-Politikerin in ihrer Laudatio.

Die Ministerin warf dem seit mehr als einem Vierteljahrhundert regierenden Machthaber in Minsk vor, Russlands Krieg in der Ukraine zu unterstützen. "Lukaschenko geht mit erschreckender Härte gegen seine Kritiker vor", sagte Baerbock. "Damit stellen sich das russische und belarussische Regime mit menschenverachtendem Zynismus gegen all das, was uns in Europa ausmacht, all das, wofür ihr drei, kämpft: Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte." Für sie sei klar, "dass wir in Zukunft noch kritischer hinschauen, noch entschiedener handeln müssen, wenn unsere Werte und unsere Freiheit angegriffen werden".

Preisträgerin Swetlana Tichanowskaja hat auf die Bedeutung der Einigkeit Europas mit Blick auf den Frieden in der Ukraine und die Demokratie in ihrer Heimat Belarus hingewiesen. Diktatoren versuchten, den Westen zu spalten, sagte die im Exil lebende Oppositionsführerin am Donnerstag nach der Preisverleihung im Krönungssaal des Aachener Rathauses. "Sie versuchen, einen Keil zwischen die Länder der Europäischen Union zu treiben", sagte sie. Der Karlspreis gehöre nicht ihr oder dem Trio der damit ausgezeichneten Frauen, sondern allen Belarussen, die enorme Anstrengung und Hingabe in ihrem friedlichen, gewaltlosen Kampf gegen Tyrannei gezeigt hätten. "Er gehört auch jedem Kind, das darauf wartet, dass Mutter oder Vater aus dem Gefängnis entlassen werden", sagte Tichanowskaja.

Mit dem renommierten Preis der Stadt Aachen ausgezeichnet wurde auch ihre Mitstreiterinnen Veronika Zepkalo, die sich mit einer emotionalen, persönlichen Rede bedankte. Die dritte Preisträgerin, Maria Kolesnikowa, ist in Belarus zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Daher nahm ihre Schwester Tatjana Chomitsch den Preis entgegen. Chomitsch zeigte während der gesamten Zeremonie ein Foto ihrer Schwester Maria, die darauf mit ihren Händen ein Herz formt. Chomitsch betonte die weiter notwendige Unterstützung Europas: "Wir sind eine europäische Nation, die Pech hatte."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die diesjährigen Karlspreis-Trägerinnen aus Belarus für ihren mutigen Einsatz in dem Land gewürdigt. Das deutsche Staatsoberhaupt schrieb persönliche Briefe an die drei Bürgerrechtlerinnen, wie das Bundespräsidialamt am Donnerstag mitteilte. "In Belarus hat der friedliche und noch immer brutal unterdrückte Aufbruch in die Zukunft ein weibliches Gesicht", hieß es in den Schreiben. "Als mutige und starke Frauen haben Sie der Diktatur die Stirn geboten." Zwei der Preisträgerinnen leben im Exil. Die dritte ist in dem vom Machthaber Alexander Lukaschenko autoritär geführten Belarus inhaftiert. Steinmeier schrieb zudem, dass der Blick aktuell verstärkt auf die Ukraine gerichtet sei. "Wir müssen in Europa, auch bei uns in Deutschland, leider sehen, dass wir Freiheit und Sicherheit nicht für selbstverständlich halten dürfen." Und: "In Belarus wissen Sie schon lange, dass die Verteidigung der Freiheit Kosten mit sich bringt."

Der Karlspreis wird seit 1950 für Verdienste um Europa und die europäische Einigung verliehen. Zahlreiche Staatsmänner und -frauen sowie zwei Päpste haben ihn seitdem erhalten. Die Auszeichnung ist mit der Übergabe einer Medaille und einer Urkunde verbunden. Namensgeber ist Karl der Große, der als erster Einiger Europas gilt und der sich häufig in Aachen aufhielt.

Quelle: Agenturen