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Nehammer: "Da muss das Kraftwerk Priorität haben, nicht das Ziesel"

28. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Bei der Klimakonferenz der Wirtschaftskammer mahnte der Kanzler "Realismus und Ehrlichkeit" in der Energie- und Klimakrise ein. Da müssten im Zweifelsfall Naturschutzfragen zweitranging sein. Zudem plädierte er für mehr Gas-Infrastruktur.

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) eröffneten am Montag die Klimakonferenz der österreichischen Wirtschaftskammer. Nach überschwänglichen Dankesworten dafür, dass die österreichischen Unternehmen die Sanktionen gegen Russland mittragen, forderte der Kanzler in Energiefragen mehr "Ehrlichkeit" ein.

Überhaupt sei alles nicht so schlecht, wie manche "Weltuntergangsvorstellungen" glauben machen wollten. Es sei aber "mehr Ehrlichkeit" in Energiefragen nötig. Man müsse sich "realistische Ziele setzen" und dann ehrlich - nicht "moralin-säuerlich" - darüber reden, was für die Ziele nötig sei. "Verzeihung, dass ich es sage in dieser Deutlichkeit", meinte Nehammer dann und erbat sich für seine folgenden Ausführungen auch gleich: "Leonore, ich hoffe, du siehst es mir nach."

Österreichisches Ziesel und dänische Maus

"Ich habe hohen Respekt vor dem Ziesel", erklärte Nehammer. "Aber wenn das Ziesel dann verantwortlich ist, dass wird ein Kraftwerk für 1.000 Personen nicht bauen können, dann muss das Kraftwerk Priorität haben und nicht das Ziesel", so der Kanzler. Ähnliches habe er von der dänischen Regierungschefin beim Europäischen Rat erfahren. Dort sei es die dänische Maus und nicht das Ziesel, das so manchen Bau verhindert habe.

Kroatien als Vorbild

Rosen streute der Kanzler der Energiepolitik Kroatiens, wo er vor kurzem zu Besuch war. Daran solle man sich orientieren und: Jeder Euro, der in Gas-Infrastruktur investiert werde, sei gut angelegt. Denn diese Pipelines könne man später auch für Wasserstoff nutzen, meinte der Kanzler.

Als "Mit-Vorantreiber der Energiewende" sieht sich auch Wirtschaftskammer-Chef Harald Mahrer. Er habe sich "schon vor über 20 Jahren dafür eingesetzt, dass es klug wäre, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben", sagt er im PULS 24 Interview. Erneuerbare Energien seien ein super Geschäft weltweit.

WKO-Präsident Harald Mahrer über Österreichs Klimapolitik

Sowohl Mahrer als auch Nehammer betonten, eine Energiewende müsse auch ökonomische Bedingungen beachten und durch Stärkung des Wirtschaftsstandortes finanzierbar sein.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos