Italien nimmt Abschied von Umberto Bossi
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hob hervor, Bossi habe einen "grundlegenden Beitrag" zur Entstehung des Mitte-Rechts-Bündnisses geleistet, das derzeit Italien regiert. "Umberto Bossi hat mit seiner politischen Leidenschaft eine wichtige Phase der italienischen Geschichte geprägt und einen grundlegenden Beitrag zur Entstehung des ersten Mitte-Rechts-Bündnisses geleistet. In diesem Moment großen Schmerzes bin ich seiner Familie und seiner politischen Gemeinschaft nahe", schrieb Meloni auf X.
Lega-Chef Matteo Salvini sagte alle für Freitag geplanten Veranstaltungen für eine Volksabstimmung über eine Justizreform an diesem Sonntag und Montag ab. "Ich war 17 Jahre alt, als ich Dich kennengelernt habe, und Du hast mein Leben verändert. Heute bin ich 53 Jahre alt und verabschiede mich von Dir mit Tränen, aber mit Dankbarkeit und dem Stolz und der Entschlossenheit, niemals aufzugeben, so wie Du es uns gelehrt hast", schrieb Salvini. Er würdigte Bossi als politischen "Visionär und Wegbereiter". Außenminister und Forza Italia-Chef Antonio Tajani sprach von einem "Protagonisten des Wandels" und erinnerte an Bossis enge Verbindung zum langjährigen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.
Bossi verstarb am Donnerstag im norditalienischen Varese auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Nach einem Hirnschlag im Jahr 2004 war seine Gesundheit angeschlagen, allerdings saß er noch als Senator für seine Lega im Parlament.
Provokante Rhetorik und Zigarren
Der für seine provokante Rhetorik und seine Leidenschaft für Zigarren bekannte Bossi war vor allem in den 1990er- und 2000er-Jahren einer der prägenden Politiker Italiens. 1984 hatte er die Lega Lombarda gegründet, eine kleine lombardische Regionalpartei, die sich vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs der italienischen Parteienlandschaft die Sezession Norditaliens vom Rest des Landes auf die Fahne geschrieben hatte.
Unter Bossis Führung wurde die Lega Lombarda Anfang der 90er Jahre zu einer der führenden Parteien in Norditalien. Im Norden des Landes hatte Bossi mit Kritik am italienischen Zentralismus und teils wüsten Tiraden gegen den Süden und gegen die illegale Einwanderung zeitweise großen Erfolg. Ab 1994 war die in Lega Nord umbenannte Partei mehrfach an den Mitte-Rechts-Regierungen von Ministerpräsident Berlusconi beteiligt. Bossi bekleidete drei Mal Ministerposten in Regierungen unter Berlusconi. 2012 musste er infolge eines Finanzskandals als Parteichef zurücktreten. Wegen Veruntreuung von Parteimitteln wurde er später zu einer Haftstrafe verurteilt. In den vergangenen Jahren trat Bossi trotz seines Senatorenpostens öffentlich nur noch wenig in Erscheinung.
Sein Nachfolger an der Lega-Nord-Spitze verordnete der Partei einen Kurswechsel: Salvini tilgte das "Nord" aus dem Parteinamen und verwandelte die Gruppierung in eine gesamtitalienisch ausgerichtete, rechtsnationale Partei. Heute ist die Lega an der Seite Melonis in der Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien. In Umfragen liegt die Lega aktuell unter zehn Prozent.
Zusammenfassung
- Umberto Bossi, Gründer der rechten Regierungspartei Lega und prägende Figur der italienischen Politik, ist am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in Varese verstorben.
- Vertreter aller politischen Lager, darunter Staatspräsident Mattarella und Premierministerin Meloni, würdigten Bossis Rolle als Visionär und seinen entscheidenden Beitrag zur Entstehung des Mitte-Rechts-Bündnisses.
- Bossi gründete 1984 die Lega Lombarda, führte die Partei zur Lega Nord, war mehrfach Minister unter Berlusconi und musste 2012 nach einem Finanzskandal zurücktreten, während die Lega heute in Umfragen unter zehn Prozent liegt.
