APA - Austria Presse Agentur

Italien gab NGO-Schiff "Open Arms" wieder frei

03. Okt 2020 · Lesedauer 2 min

Die italienischen Behörden haben das seit zwei Wochen im Hafen von Palermo festgesetzte spanische Rettungsschiff "Open Arms" freigegeben. Das Schiff wurde gründlichen Kontrollen unterzogen und kann jetzt wieder die Fahrt aufnehmen, teilte die Küstenwache am Samstag mit. Die "Open Arms" hatte Mitte September fast 200 Menschen in internationalen Gewässern vor Libyen gerettet und sie nach Palermo gebracht. Das UNO-Hilfswerk UNHCR erinnerte am Samstag an die Flüchtlingsopfer.

Die italienische Küstenwache hatte bei Kontrollen im Hafen von Palermo "gravierende Sicherheitsmängel" an Bord des Schiffes festgetellt. Daraufhin wurde die "Open Arms" gründlich inspiziert. Die Küstenwache lobte, dass die spanischen Behörden, die für das Schiff zuständig seien, inzwischen Schritte zur Stärkung der Sicherheit an Bord ergriffen hätten.

Die Hilfsorganisationen Sea Watch, Ärzte ohne Grenzen (MSF) und Mediterranea demonstrierten am Samstag in Rom, Mailand, Palermo und anderen italienischen Städten gegen die von der Regierung in Rom beschlossene Festsetzung ihrer im Mittelmeer eingesetzten Rettungsschiffe. Sie forderten die Reaktivierung eines europäischen Mechanismus zur Rettung von Migranten im zentralen Mittelmeerraum.

Die vier NGOs forderten zudem die Zuweisung eines sicheren Landehafens für alle Rettungsschiffe, die Geflüchtete an Bord nehmen und ein Treffen mit der Regierung in Rom.

Nach UN-Angaben sind in den vergangenen sieben Jahren rund 20.400 Menschen bei dem Versuch einer Überfahrt nach Europa im Mittelmeer ertrunken. Man könne nicht hinnehmen, dass Frauen, Kinder und Männer auf der Flucht ihr Leben verlieren, weil es zu wenig Rettungsmittel gebe, erklärte Chiara Cardoletti, Vertreterin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Italien, laut Kathpress am Samstag in Rom. Anlass war der Jahrestag eines Bootsunglücks am 3. Oktober 2013 vor Lampedusa. Damals starben laut UNHCR 368 Flüchtlinge und Migranten.

Cardoletti betonte, die Seenotrettung auf dem Mittelmeer dürfe nicht an die italienische Küstenwache, wenige Nichtregierungsorganisationen und unzureichend ausgerüstete Handelsschiffe delegiert werden. Es sei auch inakzeptabel, dass die EU-Mittelmeeranrainer mit der Aufnahme von Bootsmigranten allein gelassen würden. Die UNHCR-Vertreterin verlangte einen umfassenden Rettungs- und Aufnahmeplan, der alle EU-Mitgliedstaaten beteiligen müsse.

Nach den jüngsten am Freitag veröffentlichten Zahlen des italienischen Innenministeriums erreichten im laufenden Jahr fast 24.000 Migranten und Flüchtlinge einen italienischen Hafen. Das sind drei Mal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (7.900) und 13 Prozent mehr als 2018.

Quelle: Agenturen