APA - Austria Presse Agentur

Iranischer Führer ruft zu Vernichtung Israels auf

Mai 22, 2020 · Lesedauer 3 min

Der oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei hat Israel mit dem Coronavirus verglichen und zu seiner Vernichtung aufgerufen. Khamenei äußerte sich am Freitag anlässlich des sogenannten Al-Quds-Tages, der an die Besetzung Ostjerusalems durch Israel im Jahr 1967 erinnert. International wurden die Aussagen Khameneis verurteilt, auch vom österreichischen Außenministerium.

"So mancher führt ins Treffen, dass das zionistische Regime eine Realität in der Region ist, mit der man sich arrangieren muss", schrieb Khamenei auf seinem englischsprachigen Twitter-Account. "Heute ist Covid-19 eine Realität; sollte man es akzeptieren oder bekämpfen?! Das lange währende Virus des Zionismus wird dank der Entschlossenheit und des Glaubens der Jugend entwurzelt werden", so Khamenei, der Israel mit einer "tödlichen, krebsartigen Gewächs" verglich, das "entwurzelt und zerstört" werden müsse.

"Es ist völlig inakzeptabel, das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen und zur Vernichtung Israels aufzurufen", twitterte das Außenministerium. Dabei verbreitete es einen Tweet des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell, der die Aussagen Khameneis als "eine Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit" verurteilte.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Benny Gantz warnten davor, Israel herauszufordern. Israel werde für alle Bedrohungen gerüstet sein, schrieb Gantz auf Facebook. Er soll Netanyahu im Herbst nächsten Jahres als Ministerpräsidenten ablösen.

Der Zerfall Israels und die "Befreiung Palästinas" gehören seit Jahrzehnten zur außenpolitischen Doktrin des Irans. Die Besetzung Palästinas und Vertreibung von Millionen Menschen von ihrem Land bezeichnete Khamenei in seiner Rede im staatlichen Fernsehen als ein "einzigartiges Verbrechen" in der Weltgeschichte. Mit den "Verbrechern" der Zionisten in Israel sollte man daher mit Stärke vorgehen und nicht mit Verhandlungen, so der Ayatollah, der laut Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Belangen hat.

Khamenei hatte mit einem Bild zur "Endlösung" in Jerusalem zuvor bereits scharfe Kritik ausgelöst. Die Zeichnung unter dem Motto "Palästina wird frei sein" zeigt den Jerusalemer Tempelberg. Darüber steht: "Die Endlösung: Widerstand bis zu einem Referendum." Er hatte dazu auf Twitter geschrieben: "Wir werden jede Nation oder Gruppe, die gegen das zionistische Regime ist und es bekämpft, unterstützen." Die "Eliminierung des zionistischen Regimes" bedeute nicht die der Juden. Es bedeute vielmehr, ein "aufgedrängtes Regime" wie das von Netanyahu abzuschaffen. Netanyahu und auch US-Außenminister Mike Pompeo hatten Khamenei für das "Endlösung"-Bild scharf verurteilt.

Bei der Wannsee-Konferenz in Berlin hatten 1942 fünfzehn ranghohe Vertreter des NS-Staats darüber beraten, wie die sogenannte Endlösung der Judenfrage - die millionenfache Ermordung der europäischen Juden - möglichst effektiv umgesetzt werden kann.

Der Al-Quds-Tag wird jedes Jahr am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan veranstaltet. Dieses Jahr wurden im Iran die staatlich-organisierten Massendemonstrationen wegen der Corona-Krise und der hohen Ansteckungsgefahr abgesagt - genauso wie ein von Präsident Hassan Rouhani vorgeschlagener Autokorso in der Hauptstadt Teheran. Die Iraner konnten auf qudsday.net virtuell an der Veranstaltung teilnehmen.

Auch andere iranische Führer meldeten sich am Al-Quds-Tag zu Wort. "Dieser Tag symbolisiert die Einheit der Muslime bei der Verteidigung islamischer Ideale", sagte Rouhani. Zu diesen Idealen gehöre Jerusalem als Hauptstadt Palästinas anzuerkennen. Nach den Worten von Außenminister Mohammed Javad Zarif wird der Iran die "palästinensischen Freiheitsbewegungen" weiterhin uneingeschränkt unterstützen. Der Iran werde auch nicht zulassen, dass Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und der "Deal des Jahrhunderts" durchgeführt wird.

Diese Äußerung bezieht sich auf den Nahost-Plan von US-Präsident Donald Trump. Israel erwägt, im Zuge des Planes Teile des Westjordanlandes wie beispielsweise das Jordantal annektieren.

Quelle: Agenturen