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Initiativen fordern mehr Förderung für viele Sonderschüler

Heute, 11:48 · Lesedauer 2 min

Rund 35.000 der 66.000 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) würden diesen in Österreich nicht oder nur zu wenig erhalten, so die Zahlen der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst von 2021. Der Grund sei eine seit 34 Jahren nicht angehobene SPF-Quote von 2,7 Prozent, erläutert die bundesweite Initiative für Kinder mit besonderem Bedarf im Pflichtschulbereich. "Das muss jetzt passieren und nicht morgen", hat sie daher am Mittwoch in Linz gefordert.

Jene 2,7 Prozent geben den Anteil der SPF-Schüler von allen Schülern an. Dieser blieb seit mehr als drei Jahrzehnten unverändert. Die Initiative geht jedoch von einem derzeitigen Anteil von 5,6 Prozent aus. Trotz höherer Schülerzahlen wurde beim SPF-Personal nicht aufgestockt, was dazu führe, dass Schüler kaum Förderung erhalten würden. Für die betroffenen Familien hieße dies, dass ihre Kinder etwa nicht regelmäßig oder nur für wenige Stunden den Unterricht besuchen könnten, beschrieb Initiativen-Sprecherin Gertrude Riegler die Situation.

Mittlerweile sei im Regierungsprogramm zwar eine Anhebung der Quote auf 4,5 Prozent vorgesehen, allerdings wohl frühestens nach dem Finanzausgleich 2029, erklärte Riegler. Eigentlich sei aber eine Verdoppelung nötig, wiederholte sie eine langjährige Forderung. Zumindest ab dem kommenden Schuljahr will die Initiative zumindest eine schrittweise Anhebung des Förderschlüssels auf 3,1 Prozent erreichen. Dies sei mit entsprechenden 15a-Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern möglich.

Um den seit Jahrzehnten "einzementierten Quotendeckel" endlich aufzubrechen und an den tatsächlichen Bedarf anzupassen, hatte die Initiative eine Petition gestartet und mehr als 12.284 Unterschriften am 16. Februar in Wien im Parlament übergeben.

Am Mittwoch in Linz erhielt die Initiative Unterstützung von den Bildungssprecherinnen und Bildungssprechern aller oberösterreichischen Fraktionen. Auch sie waren sich einig, dass die Strukturen endlich angepasst gehören, so der Tenor. Weiters verwiesen sie auf eine im Jänner 2025 einstimmig beschlossene Resolution im Landtag zur Anhebung des Bundesschlüssels.

144 neue Stellen in Oberösterreich

Oberösterreich habe ein Fünftel aller Schülerinnen und Schüler mit Sonderschulförderbedarf in Österreich. Derzeit seien rund 1.000 Sonderschulpädagoginnen und -pädagogen im Einsatz. Mit dem ersten Schritt zur Anhebung auf 3,1 Prozent würden in Oberösterreich rund 144 neue Stellen geschaffen.

Oberösterreichs Kinder- und Jugendanwältin Christine Winkler-Kirchberger, die ebenfalls die Initiative unterstützt, stellte klar: Die Quotenerhöhung sei "kein Gnadenakt" sondern "verbrieftes Recht" auf Chancengleichheit.

Zusammenfassung
  • Rund 35.000 von 66.000 Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Österreich erhalten laut Gewerkschaft Öffentlicher Dienst keine oder zu wenig Förderung, weil die SPF-Quote seit 34 Jahren unverändert bei 2,7 Prozent liegt.
  • Die bundesweite Initiative fordert eine sofortige Anhebung der Förderquote auf mindestens 3,1 Prozent ab dem kommenden Schuljahr und übergab eine Petition mit 12.284 Unterschriften an das Parlament.
  • In Oberösterreich, wo ein Fünftel aller SPF-Schüler lebt, würden durch die Anhebung auf 3,1 Prozent rund 144 neue Stellen für Sonderschulpädagog:innen entstehen.