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In Haiti haben bewaffnete Gangs die Oberhand gewonnen

17. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Auf die verheerende Lage angesichts der anhaltenden sozialen und politischen Dauerkrise im Karibikstaat Haiti macht die aus Italien stammende Ordensfrau Marcella Catozza aufmerksam.

Haitis Hauptstadt Port-au-Prince befände sich in den Händen bewaffneter Gangs. "Die Menschen hungern. Die Schulen sind geschlossen. Die Krankenhäuser machen zu, weil sie keinen Strom mehr haben. Es ist unmöglich, unter diesen Bedingungen zu leben", erklärte die Ordensfrau laut Kathpress am Montag.

Auch die Kirche und ihre Mitarbeiter sei zum Ziel gewalttätiger Angriffe geworden. "Es herrscht ein unbeschreibliches Chaos", so die Missionsfranziskanerin gegenüber dem internationalen Hilfswerk "Kirche in Not". Catozza leitet ein Waisenhaus mit 150 Kindern in einem Armenviertel von Port-au-Prince. Wegen der katastrophalen Sicherheitslage und der in den vergangenen Monaten zunehmenden Anzahl von Banden-Angriffen auf kirchliche Einrichtungen und Mitarbeiter kann sie nach einem Heimataufenthalt in Italien derzeit aber nicht zurück in den Karibikstaat.

Waisenhaus mit 150 Kindern

Catozza leitet ein Waisenhaus mit 150 Kindern in einem Armenviertel von Port-au-Prince. Wegen der katastrophalen Sicherheitslage und der in den vergangenen Monaten zunehmenden Anzahl von Banden-Angriffen auf kirchliche Einrichtungen und Mitarbeiter kann sie nach einem Heimataufenthalt in Italien derzeit aber nicht zurück in den Karibikstaat.

Erst vergangenen Monat sei die Kapelle ihres Klosters in Brand gesetzt worden, berichtete die Ordensfrau. Kriminelle Gangs hätten das Stadtviertel, in dem sich das Waisenhaus befindet, abgeriegelt. Ihr Orden habe sie deshalb gebeten, vorerst nicht nach Haiti zurückzukehren, so Catozza. "Es soll nicht noch eine Ordensfrau zur Märtyrerin werden. Es ist sehr hart für mich, nicht bei meinen Leuten zu sein."

Ende Juni war die ebenfalls aus Italien stammende Ordensfrau Luisa Dell'Orto an den schweren Verletzungen gestorben, die ihr bei einem Überfall in Port-au-Prince zugefügt wurden. Dell'Orto hatte zwei Jahrzehnte lang in Haiti vornehmlich mit Straßenkindern gelebt und gearbeitet. "Erst hieß es, es sei ein Raubüberfall gewesen. Aber ich bin überzeugt, dass jemand dafür gezahlt hat, sie zu töten. Es konnte immer noch kein Täter gefasst werden", sagte Marcella Catozza dem Hilfswerk "Kirche in Not".

Kathedrale in Brand gesetzt

Zwei Wochen nach dem Angriff auf Luisa Dell'Orto hätten Bandenangehörige die Kathedrale der Hauptstadt in Brand gesetzt, berichtete Catozza weiter. "Als die Feuerwehrleute kamen, haben sie versucht, sie zu töten. Anschließend wollten sie mit einem Lastwagen die Mauern der Kirche einreißen." Und auch in anderen Landesteilen sei es zu Übergriffen auf kirchliche Einrichtungen gekommen: "In Port-de-Paix, Les Cayes und in weiteren Städten haben bislang unbekannte Täter in die Einrichtungen der Caritas eingebrochen. Sie nahmen alle Hilfsgüter mit, die dort eingelagert waren."

Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Es wurde in den vergangenen Jahren von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Wirbelstürmen sowie politischen Unruhen und Kriminalität destabilisiert. Im vergangenen Jahr wurde Präsident Jovenel Moise ermordet, die Hintergründe der Tat sind bis heute nicht aufgeklärt. Seitdem führt Ariel Henry als Premierminister die Regierung, ein Termin für Neuwahlen steht noch nicht fest.

Quelle: Agenturen