APA - Austria Presse Agentur

Hoffen auf Gnade Sisis: Österreichischer Uni-Student in Ägypten in Haft

23. Juni 2021 · Lesedauer 2 min

Ein in Wien studierender Ägypter sitzt wegen Terrorvorwürfen in Ägypten in Haft, weil er zum Thema Abtreibungsrechten forscht. Seine Uni und das österreichische Außenamt versuchen, ihn freizubekommen.

Die österreichische Privat-Uni Central European University (CEU) hofft auf die Milde des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi, um einen ihrer Studenten, der in seiner Heimat Ägypten zu vier Jahren Haft verurteilt wurde, freizubekommen. "Es sind noch nicht alle Mittel ausgeschöpft", betonte  die Sprecher in der CEU. Die Uni setze auf ein direktes Gnadengesuch and Sisi.

Vier Jahre Haft

Der in Wien studierende Ägypter Ahmed Samir Santawy wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, wie die ZiB2 des ORF-Fernsehens am Dienstagabend berichtet hatte. Ihm wurde demnach vorgeworfen, Teil einer Terrororganisation zu sein, weil er in Ägypten zu Abtreibungsrechten geforscht hat. Das Urteil sei von einem Notgericht gesprochen worden und sei daher nicht anfechtbar, hieß es in dem ZiB2-Bericht. Das einzige, was noch fehle, sei die Unterschrift von Staatspräsident Sisi unter das Urteil.

Foltervorwürfe von ÖH und Amnesty

Der Master-Student war am 1. Februar 2021 von der Polizei in Kairo festgenommen worden. Der 29-jährige ist ägyptischer Staatsbürger, er war für die Ferien nach Ägypten zu seiner Familie zurückgekehrt und wurde dort zu einem Verhör vorgeladen. Er galt eine Woche lang als verschwunden und sei in dieser Zeit mehrmals verlegt und gefoltert worden, teilte die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH) bereits im Februar mit.

Amnesty International hatte in einem globalen Appell die ägyptischen Behörden aufgefordert, den Studenten sofort und bedingungslos freizulassen. Er sei bei einem Verhör durch die NSA, eine Spezialeinheit der Polizei, geschlagen worden, kritisierte auch die Menschenrechtsorganisation.

NEOS sieht Außenministerium gefordert

Die NEOS forderten Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) am Mittwoch auf, sich für den Ägypter einzusetzen. Ihr außenpolitische Sprecher Helmut Brandstätter, erklärte in einer Aussendung: "Das ist ein politisches Urteil, das nicht akzeptiert werden darf." Das Außenministerium in Wien müsse in dem Fall aktiv werden. "Österreich muss die Freiheit der Forschung verteidigen und sich für die Freilassung Ahmed Samir Santawys einsetzen."

Die Sprecherin der CEU betonte: "Wir haben die volle Unterstützung des Außenministeriums." Man habe sich auch an die US-Regierung gewandt, und auch Delegationen von EU-Vertretern hätten den "schrecklichen" Fall in Ägypten angesprochen

Quelle: Agenturen / lam