Hilfswerk pocht auf Umsetzung der Pflegereform

04. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Das Hilfswerk pocht auf eine Umsetzung der von der Regierung beschlossenen Pflegereform und fordert dringend weitere Maßnahmen. "Die Ankündigung einer Reform ist noch keine Reform", sagte Präsident Othmar Karas am Freitag. Zudem seien "manche Baustellen noch gar nicht geöffnet". Als konkrete Beispiele nannte er die "im Schneckentempo" vorangehende Ausbildungsreform und die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland. Die Pflege dürfe auch in Krisenzeiten kein Randthema sein.

Der den Mitarbeitern von der Politik noch für Dezember versprochene "Pflegebonus" sei immer noch offen, beklagte Karas in einer Pressekonferenz. Der Bund stellt dafür für die Jahre 2022 und 2023 insgesamt 520 Millionen Euro zur Verfügung. Es gebe aber bis heute keine Vorschläge für die Umsetzung. Wenn man das Versprechen einhalten will, sei es höchst an der Zeit, die Details, wer was an wen auszahlt, zu klären, betonte der Hilfswerk-Präsident.

Andere offene Baustellen sei man noch gar nicht angegangen, kritisierte Karas. Hier nannte er die Weiterentwicklung des Versorgungsangebots etwa im Hinblick auf Angebote für Menschen mit Demenz, pflegende Angehörige oder die 24-Stunden-Betreuung. Auch in Sachen Finanzierung und Steuerung sei noch vieles offen, verwies Karas auch auf einen entsprechenden Rechnungshofbericht.

Die von der Regierung beschlossene Ausbildungsoffensive begrüßten Karas und Geschäftsführerin Elisabeth Anselm grundsätzlich. Sie sieht einen Ausbildungszuschuss von mindestens 600 Euro pro Monat für Personen, die erstmals eine Ausbildung im Pflegebereich machen, vor und für Berufsum- bzw. -wiedereinsteiger, die eine vom AMS geförderte Ausbildung machen, soll es ab 1. September 2023 ein "Pflegestipendium" von mindestens 1.400 Euro pro Monat geben. Für das Hilfswerk ist das Personalpaket richtig und gut, aber nicht ausreichend. Karas und Anselm forderten eine Verbesserung der Praktika, mehr Ausbildner und einen Abbau der bürokratischen Hürden, um mehr Fachkräfte aus dem Ausland auch außerhalb der EU nach Österreich zu bringen.

Karas verlangte dazu einen "Zukunftspakt" der Politik mit den Ausbildungsstätten und Praktikumsbetrieben. Ein Maßnahmenbündel müsse für ausreichende Ressourcen und Personal sorgen, für ordentliche Daten und Planungsgrundlagen sowie für eine intelligente Steuerung und Kooperation. Notwendig seien ausreichend Ausbildungsplätze und Ausbildner.

Um mehr Praktikumsplätze zu schaffen, wünscht sich das Hilfswerk nicht nur ein neues Finanzierungssystem sondern auch bessere Planungsunterlagen für die Praktikumsbetriebe und ergänzende Ressourcen in Lehrwerkstätten. Für eine bessere Übersicht und Planung will die Hilfsorganisation die Etablierung eines Monitorings zu Personalbedarf, Ausbildungs- und Praktikumsplätzen sowie Ausbildner. Außerdem soll eine Datenbank und eine Service-Plattform geschaffen werden. Und um genügend Ausbildner zu finden, werden weitere Maßnahmen wie die Übernahme der Kosten für die Weiterbildung und für die Freistellung vom Betrieb verlangt.

Um Bewerber aus dem Ausland zu bekommen, forderten Karas und Anselm nach deutschem Vorbild Kooperationen mit interessierten definierten Herkunftsländern mit Services vor Ort. Notwendig seien auch Erleichterungen bei der Rot-Weiß-Rot-Card und ein aufeinander abgestimmtes Regelwerk mit dem Berufsrecht. Und schließlich müsse das Anerkennungsverfahren der Berufsqualifikationen entbürokratisiert werden.

Quelle: Agenturen