APA/APA/UGC (Archivbild vom 4. Jönner 2026)/-

Heftige Proteste im Iran - Währung weiter unter Druck

06. Jan. 2026 · Lesedauer 3 min

Am Großen Basar in Irans Hauptstadt Teheran sind am Dienstag heftige Proteste ausgebrochen. Augenzeugen, Aktivisten und lokale Medien berichteten von plötzlichen Ausschreitungen an dem historischen Ort in der Millionenmetropole. Demonstranten und Sicherheitskräfte gerieten aneinander. Möglicher Auslöser war erneute Unruhe am iranischen Devisenmarkt. In der Früh war die Währung weiter abgestürzt. Ein Euro kostete auf dem freien Devisenmarkt erstmals über 1,7 Millionen Rial.

Die Währung hat damit seit Ausbruch der Demonstrationen vor mehr als einer Woche noch einmal mehr an Wert verloren, wie iranische Finanzportale berichteten. Ausgelöst wurden die Proteste durch einen Schock am iranischen Devisenmarkt, der zunächst in der Hauptstadt Teheran wütende Händler auf die Straße trieb.

Videos in den sozialen Medien zeigten am Dienstag Menschenmengen in den Gassen des Basars, die Protestslogans riefen. "Freiheit, Freiheit, Freiheit", war auf einem Video zu hören. Sicherheitskräfte schossen Tränengas, um die Demonstrationen aufzulösen, wie das Menschenrechtsnetzwerk HRANA auf X berichtete. Demnach schlossen sich Einwohner den Protesten der Händler an.

Der Große Basar von Teheran ist ein lebendiges Labyrinth. Über Jahrhunderte gewachsen, erstreckt sich das Netz aus verwinkelten, überdachten Gassen über mehrere Quadratkilometer. Auch wenn viele Läden winzig sind, genießen die Besitzer hier großen Status.

Der Staatsapparat begegnete den Demonstrationen auf dem Land zunehmend mit Gewalt. Am Montag kündigte die Justiz der Islamischen Republik an, ohne Nachsicht vorzugehen. Aktivisten zufolge sind inzwischen mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 1.200 Menschen seien festgenommen worden, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA.

Im Zuge der landesweiten Demonstrationen gegen die autoritäre Staatsführung seien zudem mehr als 1.200 Menschen festgenommen worden, berichtete das in den USA ansässige Menschenrechtsnetzwerk HRANA. Unter den Toten sollen sich auch zwei Angehörige der Sicherheitskräfte befinden. Den Aktivisten zufolge gab es in mindestens 88 Städten Protestkundgebungen.

In den vergangenen Tagen wurden landesweit Demonstrationen aus 27 der 31 Provinzen gemeldet. Nachdem Sicherheitskräfte vor allem in ländlichen Gebieten gewaltsam dagegen vorgegangen waren, erreichten die Demonstrationen erneut auch Metropolen wie Teheran und Mashhad.

Erste Wirtschaftsreformen in die Wege geleitet

Die Regierung hat unterdessen erste Wirtschaftsreformen in die Wege geleitet. Präsident Masoud Pezeshkian und sein Kabinett strichen unter anderem Subventionen für Importeure, die bisher von einem staatlich begünstigten Wechselkurs profitiert hatten. Am Montag warnte die iranische Regierungssprecherin, dass dies zunächst zu einem Preisanstieg führen könnte.

Viele Menschen gehen auch wegen fehlender Zukunftsperspektiven auf die Straßen. Seit Jahren bereits hat die schwere Situation am Arbeitsmarkt und die hohe Inflation die Mittelschicht im Iran erodieren lassen. In den sozialen Medien klagten Nutzer, dass ein Liter Speiseöl mancherorts inzwischen teurer sei als in Deutschland. Zum Vergleich: der durchschnittliche Monatslohn im Iran beträgt umgerechnet nur einige Hundert Euro.

Zusammenfassung
  • Am Großen Basar in Teheran kam es am Dienstag zu heftigen Protesten, nachdem die iranische Währung auf dem freien Markt auf über 1,7 Millionen Rial pro Euro abstürzte.
  • Laut dem Menschenrechtsnetzwerk HRANA wurden landesweit mindestens 29 Menschen getötet und mehr als 1.200 festgenommen, während sich die Proteste auf mindestens 88 Städte und 27 von 31 Provinzen ausbreiteten.
  • Die Regierung leitete erste Wirtschaftsreformen ein, strich Subventionen für Importeure und warnte vor zunächst steigenden Preisen, während viele Menschen wegen hoher Inflation und niedriger Löhne auf die Straße gehen.