APA - Austria Presse Agentur

Harris als Vize-Kandidatin nominiert - Obama wirft Trump Versagen vor

20. Aug 2020 · Lesedauer 3 min

Kamala Harris wurde als erste schwarze Vize-Kandidatin einer der beiden großen Parteien nominiert. Barack Obama verurteilte Präsidenten Donald Trump namentlich und sprach eine düstere Warnung über die Dauerhaftigkeit der US-Demokratie aus.

Als erste schwarze Frau ist Kamala Harris zur Vizepräsidentschaftskandidatin einer der beiden großen US-Parteien nominiert worden. Sie geht an der Seite des Demokraten Joe Biden im November in die Wahl - Biden war bereits am Dienstag offiziell von den Delegierten nominiert worden.

An die Amerikanerinnen und Amerikaner appellierte Harris in ihrer Rede in Wilmington (Delaware), im November einen besseren Präsidenten zu wählen. "Einen Präsidenten, der uns alle - Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene - zusammenbringt, um die Zukunft zu erreichen, die wir uns gemeinsam wünschen.

Kamala Harris wurde als Vizepräsidentschaftskandidatin der US-Demokraten nominiert.

Harris warf Trump in ihrer Rede "Inkompetenz", "Herzlosigkeit" und Führungsversagen vor. Das habe Existenzen gekostet. Zudem verwandle er Tragödien in politische Waffen, kritisierte sie. Sie verwies darauf, dass das Coronavirus Angehörige von Minderheiten besonders hart treffe. Das sei kein Zufall, sondern "die Folge von strukturellem Rassismus". "Lassen Sie uns eines klarstellen", so Harris, "es gibt keinen Impfstoff gegen Rassismus. Wir müssen die Arbeit machen."

Biden hatte sich vergangene Woche für die Senatorin und Juristin aus Kalifornien als seine mögliche Stellvertreterin entschieden und damit eine historische Wahl getroffen. Im Fall eines Wahlsiegs wäre Harris die erste Frau und Schwarze im Vizepräsidentenamt.

PULS 24 Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner analysiert die Auftritte von Barack Obama und Kamala Harris auf dem Parteitag der US-Demokraten.

Obama wirft Trump Versagen vor

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat sich bisher mit direkter Kritik an seinem Amtsnachfolger eher zurückgehalten - bei diesem Parteitag wurde er deutlich. Seine Rede war eine Abrechnung mit Donald Trump.

"Donald Trump ist nicht in den Job hineingewachsen, weil er es nicht kann. Und die Folgen dieses Versagens sind schwerwiegend", sagte Obama beim virtuellen Parteitag der Demokraten, zugeschaltet von Philadelphia. Mit Blick auf die Wahl am 3. November sprach er eine düstere Warnung aus: "Diese Regierung hat gezeigt, dass sie unsere Demokratie niederreißen wird, wenn das nötig ist, um zu gewinnen."

Trump habe die Macht seines Amtes lediglich dafür genutzt, sich selbst und seinen Freunden zu helfen, so Obama. Die Präsidentschaft habe er behandelt wie "eine weitere Reality-Show, mit der er die Aufmerksamkeit bekommen kann, nach der er sich sehnt". Unter Trump seien während der Corona-Pandemie nicht nur 170.000 Amerikaner gestorben, sondern auch Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. Obama machte den Republikaner zudem dafür verantwortlich, dass die USA in der Welt an Ansehen verloren hätten und die demokratischen Institutionen "wie nie zuvor" bedroht seien.

Trump gibt Obama "Schuld" an seiner Kandidatur

Auf Obamas Abrechnung hatte Trump schon nach Bekanntwerden erster Redeauszüge reagiert. Er sei nur Präsident geworden, weil Obama selbst versagt habe. "Präsident Obama hat keinen guten Job gemacht. Und der Grund, warum ich hier bin, ist wegen Präsident Obama und Joe Biden", sagte er bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus.

Trump sagte, hätten Obama und dessen Vizepräsident Biden bessere Arbeit geleistet, wäre er möglicherweise gar nicht ins Rennen um die Präsidentschaft eingestiegen. "Ich wäre sehr glücklich gewesen, ich habe mein vorheriges Leben sehr genossen." Obama habe dem Land "Schrecken" hinterlassen, Trump führte aber nicht aus, was er damit meinte. Auf Twitter schob der Republikaner an Obama und Hillary Clinton gerichtet nach: "Wir sehen uns auf dem Schlachtfeld."

Der 77-Jährige Biden wird seine Nominierungsrede am Donnerstag zum Abschluss des viertägigen Parteitags halten. In den Umfragen liegt er derzeit vor dem drei Jahre jüngeren Präsidenten. Die Demokraten müssen aber viele Wähler mobilisieren, wollen sie Trump aus dem Weißen Haus verdrängen, vor allem in den heiß umkämpften Schlüsselstaaten.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb