Grundwehrdiener bereuen Entscheidung nicht
Bei letzterer Frage zeigten sich bei der breit angelegten Umfrage unter rund 5.000 Grundwehrdienern nur 49 Prozent zufrieden (37 Prozent unzufrieden). Bei den regulär Bediensteten sind es dagegen über 70 Prozent. Auch bei der Qualität der Ausbildung bleiben die Werte mit 65 Prozent Zufriedenheit ausbaufähig. Dafür sind gleich vier Fünftel mit ihren Vorgesetzten und dem Umgangston zufrieden.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) sieht hier eingeleitete Reformen und auch eine Modernisierung des Heers als Faktor, warum die Zustimmungswerte insgesamt im Steigen sind. Was die Kritikpunkte der Präsenzdiener angeht, meinte sie, man müsse die Ausbildung mehr auf persönliche Bedürfnisse abstellen - etwa dass die jungen Männer bei jenen Verbänden zum Einsatz kommen, die sie tatsächlich interessieren, aber auch zu welchem Zeitpunkt sie ihren Dienst leisten, damit dies beispielsweise mit der eigenen Ausbildung gut vereinbar sei.
Studienleiter Wolfgang Prinz betonte, dass sich bei der jährlich durchgeführten Umfrage zeige, dass seit Corona die psychische Belastung zugenommen habe, obwohl keine erschwerenden Aufgaben am Arbeitsplatz angefallen seien. Die jungen Männer kämen angesichts der diversen Krisen vulnerabler zum Heer. Tanner meinte, hier werde man auch bei den Ausbildnern die entsprechende Awareness schaffen, dass man sich um diese Aspekte besonders kümmern müsse.
Österreicher klar für Wehrpflicht
Neben dem Lagebild präsentiert wurde auch eine Gallup-Umfrage unter 1.000 Österreichern, die nicht vom Verteidigungsressort in Auftrag gegeben wurde. Dieser zu Folge sind 70 Prozent der Befragten für eine Beibehaltung der Wehrpflicht, wobei der Wert bei den 16-30-Jährigen mit 60 Prozent signifikant niedriger ist. Zudem wird die auch von Tanner forcierte Verlängerung des Präsenzdiensts auf acht Monate plus zwei Monate Übungen unterstützt. 54 Prozent sagen Ja zu diesem Modell, 39 Prozent nein.
Was die Umsetzung der Reform angeht, verwies die Verteidigungsministerin auf den laufenden parlamentarischen Prozess. Sie sei aber zuversichtlich, dass man zu einem gemeinsamen Ergebnis komme, auch was die Verlängerung des Zivildiensts auf zwölf Monate angeht, für die man eine Verfassungsmehrheit braucht.
Zusammenfassung
- 80 Prozent der Grundwehrdiener sind laut aktuellem Lagebild des Verteidigungsministeriums mit ihrer Entscheidung für den Präsenzdienst zufrieden, ein deutlicher Anstieg gegenüber vor fünf Jahren.
- Nur 49 Prozent der Grundwehrdiener zeigen sich mit den ihnen zugewiesenen Aufgaben zufrieden, während 65 Prozent die Qualität der Ausbildung positiv bewerten.
- Laut einer Gallup-Umfrage sprechen sich 70 Prozent der Österreicher für die Beibehaltung der Wehrpflicht aus, wobei 54 Prozent die Verlängerung des Präsenzdiensts auf acht Monate plus zwei Monate Übungen unterstützen.
