APA - Austria Presse Agentur

Die dunkelrote Wundertüte KPÖ

26. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Ein politisches Beben brachte die Graz-Wahl. Laut der ersten Hochrechnung verdrängt die KPÖ die ÖVP von Platz eins. Die Ära von Bürgermeister Siegfried Nagl dürfte damit vorbei sein.

Laut der ersten Hochrechnung haben den Kommunisten 29,3 Prozent der Grazer ihr Vertrauen ausgesprochen. Die ÖVP um Bürgermeister Siegfried Nagl hingegen stürzt auf 25,5 Prozent ab (-12,1%) - die Graz-Wahl im Liveticker verfolgen. Der Erfolg der Grazer KPÖ ist zwar eine Überraschung, angesichts ihrer lokalen Vorleistungen kommt er aber nicht von ungefähr. Freilich lodert das dunkelrote Feuer nur in der steirischen Landeshauptstadt. Bei diversen Wahlen trat man in den vergangenen Jahren nicht einmal mit dem eigenen Namen an, sondern in Verbindung mit anderen linken Listen, um die Chancen auf ein passables Abschneiden wenigstens ein wenig zu erhöhen.

Die KPÖ gehört zu den Gründungsparteien der Zweiten Republik. Freilich waren die russischen Besatzer alles andere als amüsiert, als man beim ersten Urnengang nach dem Zweiten Weltkrieg nicht um Platz eins mitmischte, sondern mit 5,4 Prozent von SPÖ und ÖVP meilenweit abgehängt wurde. Immerhin schaffte man es bis zur ersten Wahl nach dem Ungarn-Aufstand 1959 im Nationalrat zu bleiben, seither sah man das Hohe Haus aber nur noch von außen.

Auch in den Ländern lief es nicht lange gut. Am Längsten hielt man sich noch in Wien bis 1969 und in Kärnten und der Steiermark bis 1970 im Landtag, ehe der "Prager Frühling" das Image endgültig in Richtung Boden rasseln ließ. In Oberösterreich, Vorarlberg und Tirol schaffte es die KPÖ nie zu einem Mandat.

Sonderstatus in Steiermark

Ein Sonderphänomen wurde im neuen Jahrtausend die Steiermark. Dort war man 1970 aus dem Landtag geflogen, kam aber im Soge der Erfolg in Graz um ihren vor allem auf Wohnungspolitik setzenden Frontmann Ernest Kaltenegger auch landesweit wieder auf eine parlamentarische Vertretung. Seit 16 Jahren sitzt die KPÖ durchgehend im Landtag, wenngleich immer nur knapp über der Vier-Prozent-Marke.

Übertragen ließen sich diese Erfolge der stets auf einen eigenständigen Weg pochenden Steirer nicht. Bei der vergangenen Nationalratswahl kam man beispielsweise nicht über 0,7 Prozent hinaus. In Wien schaffte man als Teil eines Bündnisses 2020 wenigstens zwei Prozent. Dagegen steht man in Tirol und Vorarlberg schon seit langem nicht einmal mehr am Stimmzettel.

Nagl schließt persönliche Konsequenzen nicht aus

Vor zwei Wochen hat Siegfried Nagl in einem TV-Interview noch vor der "roten Gefahr" gewarnt. Nur ist das Szenario überraschend eingetreten und Nagl steht nach seiner fünften Wahl vor dem Rückzug aus der Politik. Die steirische Volkspartei war nach der ersten Hochrechnung erstarrt. Abseits von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer herrschten steinerne Mienen bis Entsetzen. Der ganz auf den Langzeitbürgermeister zugeschnittene Wahlkampf hatte bei den Grazerinnen und Grazer wohl nicht verfangen.

Als jugendlicher Quereinsteiger hatte Nagl im Jahr 2000 eine schwächelnde ÖVP übernommen, die sogar hinter die FPÖ zurückgefallen war. 

Nach 18 Jahren an der Spitze der steirischen Bundeshauptstadt sagte Nagl nach dem ernüchternden Wahlergebnis, dass er das erst einmal verdauen müsse. Nagl ließ offen, ob er persönliche Konsequenzen aus dem Wahlergebnis ziehen wird.
 

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb