Grab von KZ-Arzt im Salzburger Pinzgau wird kontextualisiert
Bereits 2021 hatte das Internationale Auschwitz Komitee (IAK) das österreichische Innenministerium zum Handeln aufgefordert, damit am Grab Bodmanns Informationen über die Gräueltaten des Verstorbenen angebracht werden. Der deutsche Mediziner war von Februar bis August 1942 zunächst Lagerarzt und später Standortarzt im Vernichtungslager Auschwitz. Er gilt als "Erfinder" der Phenolinjektion, mit der Häftlinge durch eine Spritze direkt in den Herzmuskel oder in die Venen ermordet wurden. Nach Kriegsende geriet er auf der Flucht Richtung Italien im Salzburger Pongau in Kriegsgefangenschaft, in der er Suizid beging. Sein Grab befindet sich auf einem 1950 vom damaligen Lender Ortspfarrer Josef Engelbert Tomaschek errichteten "Ehrenfriedhof".
Die nun geplante Kontextualisierungstafel, die von Innenministerium und Land Salzburg mit Unterstützung des Schwarzen Kreuzes erstellt wurde, soll auf dem Friedhofsgelände in unmittelbarer Nähe zum Grab Bodmanns angebracht werden und sich auch mit der Entstehung des "Ehrenfriedhofs" auseinandersetzen. Weitere geplante Maßnahmen zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im neuen Jahr sind laut Aussendung des Innenministeriums die Aufstellung weiterer Außenlagerstelen durch das Mauthausen Memorial, die Eröffnung der Wanderausstellung "Hitlers Exekutive" im Gedenkort Schloss Hartheim sowie Beiträge zur NÖ Landesausstellung 2026 mit Neugestaltung des Anstaltsfriedhofs Mauer-Öhling und der Start der Umsetzung der Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen.
Vorlegen will das Innenministerium in diesem Jahr außerdem einen Entwurf für eine Novelle der Kriegsgräberfürsorgegesetze. Ziel ist eine Modernisierung der 1948 erlassenen Gesetze, "um ein zeitgemäßes Gedenken samt Kontextualisierung zu ermöglichen", wie es im Regierungsprogramm heißt. Das neue Verständnis von Kriegsgräbern als Bildungs- und Mahnorte soll gesetzlich abgebildet werden, indem eine Auseinandersetzung gesetzlich verpflichtend wird, so das für die Kriegs- und Opfergräberfürsorge zuständige Innenministerium.
"Erinnerung ist Verantwortung und zugleich ein zentraler Auftrag zur ständigen Weiterentwicklung der Gedenkkultur in unserem Land", so Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) in der Aussendung, in der auf die Maßnahmen im Gedenkjahr 2025 verwiesen wurde. "Mit einer aktiven Gedenk- und Erinnerungsarbeit leisten wir einen wichtigen Beitrag für Demokratie, Menschenwürde und das Bewusstsein kommender Generationen."
Zusammenfassung
- Am 26. Jänner wird am Grab des SS-Arztes und Kriegsverbrechers Franz Bodmann in Lend eine Erklärtafel enthüllt, die über seine Rolle als Lagerarzt in Auschwitz und die Entstehung des 'Ehrenfriedhofs' informiert.
- Das österreichische Innenministerium plant eine Novelle der Kriegsgräberfürsorgegesetze, um verpflichtende Kontextualisierungen wie diese künftig gesetzlich zu verankern und Kriegsgräber als Bildungs- und Mahnorte zu etablieren.
- Weitere Maßnahmen zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Jahr 2025 sind neue Außenlagerstelen, Ausstellungen und die Neugestaltung von Gedenkstätten, wie das Mauthausen Memorial und die KZ-Gedenkstätte Gusen.
