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Golf-Staaten offenbar besorgt über mögliche Iran-Eskalation

Heute, 11:41 · Lesedauer 3 min

Die Golf-Staaten sind laut dem deutschen Kanzler Friedrich Merz sehr besorgt über die drohende Eskalation zwischen USA und Iran. "Die Sorge vor einer militärischen Eskalation in der Region ist groß", sagte Merz am Donnerstag in Doha. Die Luftangriffe auf den Iran vom Juni 2025 seien regional noch sehr präsent. Er rief Teheran nochmals auf, "jetzt wirklich in Gespräche einzutreten, die Aggressionen zu beenden, das Atomprogramm zu beenden", so wie international vereinbart.

Vor allem Länder wie Katar, Jordanien und Israel sollten von weiteren militärischen Bedrohungen verschont bleiben. Merz äußerte die Hoffnung, dass die für die kommenden Tage geplanten Gespräche zwischen den USA und dem Iran über das Atomprogramm des Landes erfolgreich sind. "Ich will jedenfalls aus meiner Sicht jeden Beitrag zur Deeskalation leisten", fügte er hinzu.

Der iranische Außenminister Abbas Araqchi hatte bestätigt, dass am Freitag Gespräche im Oman stattfinden. Deutschland sei Teil des E3-Formats, das von der UNO beauftragt war, das Sanktionsregime gegen Teheran wieder in Kraft zu setzen, so Merz. "Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass der Iran aufhört, die destabilisierende Macht in der Region zu sein.

US-Vizepräsident James Vance hält Diplomatie mit dem Iran indes allgemein für außerordentlich schwierig. Grund dafür sei, dass dessen Oberster Führer, Ayatollah Ali Khamenei, zwar alle strategischen Entscheidungen treffe, aber nicht direkt mit den USA spreche. "Es ist bizarr, dass wir nicht einfach mit der tatsächlichen Führung eines Landes sprechen können. Das erschwert Diplomatie ganz erheblich", sagte Vance in der "Megyn Kelly Show" auf SiriusXM. Präsident Masoud Pezeshkian, so heiße es, "hat kaum Einfluss und spielt keine entscheidende Rolle. Der Außenminister scheint mit dem Obersten Führer zu sprechen, und das ist im Wesentlichen die Person, mit der wir kommuniziert haben." Das mache alles deutlich komplizierter und die gesamte Situation wesentlich absurder. Vance verwies darauf, dass US-Präsident Donald Trump andere Staatschefs direkt anrufen könne.

Die deutsche Bundeswehr bestätigte unterdessen einen Bericht, wonach Soldaten wegen einer drohenden militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran vorübergehend aus dem Nordirak abgezogen werden. Aufgrund der zunehmenden Spannungen in der Region sei "vorsorglich Personal, das derzeit nicht dringend für die Mission gebraucht wird, temporär aus Erbil abgezogen" worden, teilte ein Sprecher am Donnerstag in Berlin mit.

Zuvor hatte der "Spiegel" über die Entscheidung des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr berichtet, die deutschen Kräfte im Nordirak deutlich zu reduzieren. Personal, das für die Mission nicht entscheidend sei, sei vorsorglich vom Irak an andere Orte verlegt worden. Die Bundeswehr unterstützt im Irak den Aufbau der örtlichen Streitkräfte. Schwerpunkt ist die kurdische Metropole Erbil im Norden des Irak, in der Hauptstadt Bagdad sind nur noch einzelne Soldaten als Berater eingesetzt.

Zuletzt waren rund 300 Soldaten und Soldatinnen für die Bundeswehr-Mission im Einsatz. Der größte Teil davon ist allerdings in Jordanien stationiert, wo die Luftwaffe in Al-Azraq seit Jahren ein kleines Feldlager betreibt und die internationale Anti-Terror-Koalition unter anderem mit Tankflugzeugen unterstützt. Mit dem verbleibenden Personal des Kontingents werde der Kernauftrag der deutschen Soldaten im Nordirak aufrechterhalten, teilte der Bundeswehr-Sprecher weiter mit. Das Vorgehen sei mit den multinationalen Partnern vor Ort abgestimmt worden. "Für uns hat die Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten immer oberste Priorität." Daher werde "aus Fürsorgegründen und um potenzielle Risiken zu minimieren, nicht-missionskritisches Personal" verlegt.

Zusammenfassung
  • Die Golf-Staaten zeigen sich laut Kanzler Friedrich Merz sehr besorgt über eine mögliche militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran, insbesondere nach den Luftangriffen auf den Iran im Juni 2025.
  • Die deutsche Bundeswehr hat wegen der angespannten Lage vorsorglich nicht-missionskritisches Personal aus dem Nordirak abgezogen, wobei zuletzt rund 300 Soldaten und Soldatinnen im Einsatz waren, der Großteil davon in Jordanien stationiert.
  • Für die kommenden Tage sind Gespräche zwischen den USA und dem Iran über das iranische Atomprogramm im Oman geplant, an denen Deutschland im Rahmen des E3-Formats beteiligt ist.