APA - Austria Presse Agentur

Ghana erhält erste Impfstoff-Lieferung der Covax-Initiative

24. Feb 2021 · Lesedauer 3 min

Meilenstein im Kampf gegen die Pandemie: Als erstes Land der Welt hat das westafrikanische Ghana Corona-Impfdosen von der internationalen Covax-Initiative erhalten. Bei der ersten Ladung handelt es sich um 600.000 Dosen des AstraZeneca-Wirkstoffs, wie es in einer Mitteilung des UNO-Kinderhilfswerks (UNICEF) vom Mittwoch hieß. Diese Lieferung repräsentiere den Beginn der wohl größten Beschaffungs- und Versorgungs-Initiative von Impfstoffen in der Geschichte.

"Dies ist ein monumentales Ereignis", hieß es. Die Covax-Initiative wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Impfallianz Gavi gegründet, um Länder mit kleinen und mittlerem Einkommen mit Corona-Impfstoffen zu versorgen. Die Initiative will nach eigenen Angaben in diesem Jahr knapp zwei Milliarden Dosen liefern. Gemeinsam mit den bilateralen Beiträgen der EU-Mitgliedstaaten über Team Europe werden der Covax-Initiative laut Außenministerium in Wien insgesamt 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, 2,4 Millionen Euro davon aus Österreich.

Das westafrikanische Ghana werde voraussichtlich am Dienstag mit den Impfungen beginnen, sagte Informationsminister Kojo Oppong Nkrumah. Als erstes werden demnach Mitarbeiter des Gesundheitswesen geimpft sowie Menschen über 60 Jahren, einige Justizmitarbeiter, Lehrer und Beschäftigte in wesentlichen Diensten. Ghana mit seinen rund 30,4 Millionen Einwohnern hat bisher rund 80.700 Corona-Infektionen verzeichnet, wie die panafrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC berichtet. Als nächstes soll die Elfenbeinküste eine Ladung Impfdosen von Covax erhalten, sagte ein UNICEF-Sprecher.

In Afrika ist die Corona-Pandemie bisher weitgehend glimpflicher verlaufen als in Europa oder den USA. Das liegt zum einen an der besonders jungen Bevölkerung - das Durchschnittsalter auf dem Kontinent liegt bei knapp 20 Jahren. Auch sind die Menschen in Afrika Experten zufolge anderen Mikroorganismen und Parasiten ausgesetzt, was das Immunsystem fundamental verändert. Zudem haben die meisten Regierungen Afrikas zu Beginn der Pandemie schnell und mit harten Maßnahmen reagiert. Allerdings ist die derzeit herrschende zweite Welle verheerender als die erste. Laut der Africa CDC wurden bisher rund 3,8 Millionen Corona-Fälle und etwa 102.000 Tote auf dem Kontinent verzeichnet. Sorge bereitet vielen Hilfsorganisationen auch, dass die Maßnahmen unzähligen Menschen, die etwa als Tagelöhner arbeiteten, ihre Lebensgrundlage verloren haben. Beobachter warnen davor, dass die Pandemie Entwicklungsfortschritte der letzten Jahrzehnte, beispielsweise bei der Armutsbekämpfung, zunichte machen könnte.

Lange bestand die Sorge, dass die Staaten Afrikas - und anderen Entwicklungsländer - im Rennen um Corona-Impfstoffe zurückgelassen werden. Das hat sich auch zum Teil bewahrheitet: Bisher haben nur einige vereinzelte Länder in Afrika mit dem Impfen begonnen. Und auch mithilfe von Covax sowie der Beschaffungskommission der Afrikanischen Union (AU) werden die ärmeren Länder den reichen Staaten der Welt hinterherhinken: Covax wird den teilnehmenden Staaten nur genug Dosen bieten können, um nach aktuellem Stand im ersten Halbjahr rund drei Prozent der Bevölkerungen zu impfen. China und Russland sind mit ihren jeweils eigenen Impfstoffen deshalb sehr aktiv, um die Lücke schließen zu können. Dahinter liege "politisches Kalkül" und der Kampf um politischen und wirtschaftlichen Einfluss im Hinblick auf die Ausbeutung der Bodenschätze, "um die es eine beinharte Konkurrenz gibt", sagte Michael Zach vom Institut für Afrikanistik der Universität Wien kürzlich gegenüber der APA.

Quelle: Agenturen